Beginn der Schüttarbeiten mit Ausbruchmaterial aus dem Hochwasserentlastungsstollen

Zwei weitere Meilensteine im Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal sind erreicht. Einerseits enden die Seeschüttungen im Alpnachersee mittels Klappschiff. Diese erfolgen nun vom Land her mit Ausbruchmaterial aus dem Hochwasserentlastungsstollen. Andererseits wird im Hochwasserentlastungsstollen ein Etappenziel im Vortrieb erreicht. Die Tunnelbohrmaschine wechselt vom harten Schrattenkalkgestein in weichere Schiefer- und Mergelschichten.

Ökonomischer und ökologischer Nutzen

Die Schüttungen im Alpnachersee dienen der Aufwertung des Südufers und sind ein wichtiger Bestandteil der umfangreichen Hochwasserschutzprojekte im Sarneraatal, welche nach dem Unwetter 2005 angelaufen sind. Anstoss für die Planungen war die Überlegung, das beim Hochwasserentlastungsstollen anfallende Aushub- und Ausbruchmaterial kostengünstig und umweltverträglich zu verwerten und so Synergien zu nutzen.

Beim Südufer des Alpnachersees führte der intensive Abbau von Kies und Sand über Jahrzehnte zu tiefen Baggerlöchern und zum Verlust von Flachwasserzonen und Flachmooren. Mit Aushub- und Ausbruchmaterial werden diese Gebiete wieder aufgefüllt. Dadurch wird auch der Natur- und Erholungsraum am Alpnachersee aufgewertet. Es entstehen neue Flachmoorflächen, die als Kompensation für Flachmoore genutzt werden können, welche bei anderen Wasserbauprojekten beeinträchtigt werden. „Damit kann auch Kulturland geschont werden. Anstatt ökologisch notwendige Flachmoorflächen im wertvollen Kulturland zu schaffen, entstehen diese im See“, erklärt Baudirektor Josef Hess einen für ihn wichtigen Vorteil des Projekts.

 

Wiederverwertung von Stollenmaterial

Das überschüssige Ausbruchmaterial des Hochwasserentlastungsstollens deckt knapp die Hälfte des Materialbedarfs. Das Stollenmaterial ist nur bedingt wasserbeständig und kann daher nur für ausgewählte Schüttungen eingesetzt werden. Die andere Hälfte des Materials ist bereits abgelagert und stammt aus dem Projekt Kraftwerkserneuerung Ritom (TI). Mit diesem wasserbeständigen Material, das seit 2019 per Bahn und Klappschiff angeliefert wurde, wurden Vorschüttungen gemacht, hinter denen nun das Material aus dem Stollen sicher im See geschüttet werden kann. Diese Seeschüttungen mittels Klappschiff enden in diesen Wochen. Dafür starten nun die Schüttungen mit Material aus dem Stollenvortrieb.

Das Ausbruchmaterial aus dem rund drei Kilometer entfernten Hochwasserentlastungsstollen wird per Lastwagen zum Alpnachersee gefahren. Während rund einem Jahr werden durchschnittlich täglich 80 Fahrten dafür nötig sein. An der Aufschütti am Hinterberg erfolgt die Umladung von den Lastwagen auf grosse Baustellendumper. Diese bringen das Material über Baupisten zu den Schüttstellen in der Mündungsbucht der Saneraa. Die Schüttungen werden knapp über den Pegel des Alpnachersees ragen. Darauf wird sich im Laufe der Zeit ein Flachmoor entwickeln und wertvollen Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögeln bieten.

Anspruchsvolle Störzone überwunden

Mit dem Beginn der Schüttungen von Ausbruchmaterial wird auch beim Hochwasserentlastungsstollen ein wichtiger Meilenstein erreicht. der Vortrieb durch das technisch anspruchsvolle Schrattenkalkgestein ist abgeschlossen. Nun erreicht die Tunnelbohrmaschine weichere Schiefer- und Mergelschichten.

Die ersten 2200 Meter verlief der Vortrieb der Tunnelbohrmaschine durch technisch anspruchsvollen Schrattenkalk. Hartes Gestein, Klüfte und Wassereinbrüche haben in diesem Abschnitt den Vortrieb immer wieder erschwert und gebremst. Am 19. Mai 2021 hat die Tunnelbohrsmaschine bei Tunnelmeter 1359 einen mit Wasser gefüllten Karsthohlraum angebohrt, aus welchem seither etwa 200 Liter Wasser pro Sekunde in den Tunnel strömt. Aufgrund der grossen Wassermenge musste der Vortrieb unterbrochen werden. Mittels Bohrungen in die wasserführende Felszone wurde das austretende Wasser hinter dem Bohrkopf aufgefangen und an der Maschine vorbei in Richtung Auslaufbauwerk geleitet.

Die finanziellen Auswirkungen der Verzögerungen und der zusätzliche Massnahmen können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden. „Dazu laufen sowohl beim Kanton als Bauherr als auch beim Unternehmer Abklärungen und Berechnungen. Anschliessend müssen die Kosten mit dem Unternehmer verhandelt werden“, so Josef Hess zum weiteren Vorgehen. Die zeitlichen Verzögerungen belaufen sich zurzeit auf knapp vier Monate. Somit wird der Durchschlag in Sachseln nicht wie ursprünglich gemäss Bauprogramm geplant im Juni 2022, sondern im Oktober 2022 stattfinden.

 

 

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