Hochwasserentlastungsstollen: Die Hälfte des Stollens ist ausgebrochen

Seit Mitte Januar 2021 fräst die Tunnelbohrmaschine den 6,5 Kilometer langen Hochwasserentlastungsstollen vom Auslaufbauwerk in Alpnach zum Einlaufbauwerk in Sachseln. Nach anfänglich anspruchsvoller Geologie schreitet der Vortrieb nun zügig voran, sodass am 8. Februar 2022 die Stollenmitte erreicht wurde.

Mitte Januar 2021 begann die ARGE HWS Marti mit dem maschinellen Stollenvortrieb. Rund ein Jahr nach Beginn der Hauptarbeiten mit der Tunnelbohrmaschine sind rund 3’250 Tunnelmeter aufgefahren, was der Hälfte der gesamten Strecke entspricht. Somit ist die
halbe Vortriebsstrecke geschafft.

Die Tunnelbohrmaschine befindet sich aktuell westlich des Dorfs Kerns, in einer Tiefe von rund 80 Metern zwischen dem „Chatzenrain“ und dem „Aquacenter“. Der Vortrieb verläuft derzeit in der günstigen Stadschiefer-Formation. Die Tunnelbohrmaschine erbringt in dieser weicheren Gesteinsformation hohe Vortriebsleistungen. Im Zwei-Schichtbetrieb werden zurzeit Tagesleistungen von bis zu 40 Metern erzielt. „Diese Spitzenleistungen sind aufgrund der immer länger werdenden Transportwege nur dank einer gut funktionierenden Logistik und einer hohen Leistungsbereitschaft des Vortriebspersonals möglich“, betont Baudirektor Josef Hess.

Stollenmaterial wird wiederverwertet

Das anfallende Ausbruchmaterial wird in Alpnach auf Kipper verladen, entlang der alten Etschistrasse zum Alpnachersee gefahren und in die Münungsbucht der Sarneraa geschüttet. Täglich werden aktuell rund 3’200 Tonnen Ausbruchmateril verwertet. Die Seeschüttungen verlaufen planmässig und die Baupiste zu den Schüttstellen in der Mündungsbucht der Sarneraa ist bereits erstellt. Die Schüttungen werden knapp über den Pegel des Alpnachersees ragen. „Die Seeschüttungen schaffen wertvollen Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel. Damit können im See neue ökologische Ausgleichsflächen geschaffen werden. Dadurch wird verhindert, dass dafür wertvolles Kulturland beansprucht werden muss“, so Josef Hess.

Vortiebsleistungen stimmen optimistisch

„Jeder Tunnelbau ist mit Risiken verbunden, insbesondere die Geologie hält immer wieder Überraschungen bereit“, erklärt Josef Hess. So traten im Zuge des Stollenvortriebs in der harten und karstanfälligen Schrattenkalk-Formation entlang des Wichelsees wiederholt Wassereinbrüche ein. Die nächste geologische Herausforderung steht bei der Unterquerung der Grossen Melchaa an. Zur Bestätigung der geologischen Prognose und der ausreichenden Felsüberdeckung sind in dieser Zone systematische
Vorausbohrungen vorgesehen.

Der Rückstand auf das Bauprogramm beträgt rund vier Monate. „Die Vortriebsleistungen liegen aktuell leicht über dem erwarteten Rahmen und stimmen optimistisch“, freut sich Josef Hess. Der Durchschlag der Tunnelbohrmaschine in die Zielröhre beim Einlaufbauwerk in Sachseln wird im Oktober 2022 erwartet.