Hochwassersicherheit Sarneraatal: Regierung erteilt die Genehmigung der dritten Etappe und stellt die Umweltverträglichkeit des Gesamtprojekts fest

Ende Juni hat der Regierungsrat die dritte und letzte Etappe des Projekts Hochwassersicherheit Sarneraatal genehmigt und die Umweltverträglichkeit des Gesamtprojekts festgestellt. Mit diesem Meilenstein sind sämtliche Massnahmen des Projekts genehmigt.

Im September 2017 genehmigte der Regierungsrat im Rahmen einer ersten Etappe den Bau des Hochwasserentlastungstollens Ost mit Ein- und Auslaufbauwerk. Die Arbeiten für den Stollen sind seit Februar 2018 im Gang und sollen bis im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein.

Die Genehmigung der zweiten Etappe erfolgte im Oktober 2019 und umfasst alle übrigen Projektbestandteile mit Ausnahme der wasserbaulichen Massnahmen an der Sarneraa im Abschnitt Mündung Bitzighoferbach bis Brücke Bahnhofstrasse, Kägiswil. Dieser, von der zweiten Genehmigungsetappe ausgenommene Abschnitt, wurde zur Erfüllung der Vereinbarung mit den Umwelt- und Fischereiverbänden neu projektiert.

Einspracheverhandlungen erfolgreich abgeschlossen
Während der öffentlichen Auflage des Gesamtprojekts Hochwassersicherheit Sarneraatal – dritte Etappe vom 15. Oktober 2021 bis am 15. November 2021 sind bei den betroffenen Einwohnergemeinden Giswil, Sachseln, Sarnen, Kerns und Alpnach eine Einsprache des Bauernverbands Obwalden und drei weitere Stellungnahmen eingegangen. «In einem konstruktiven Gespräch konnten die verschiedenen Anträge mit Vertretern des Bauernverbands Obwalden diskutiert werden», erklärt Baudirektor Josef Hess. Der Bauernverband Obwalden steht für einen sicheren Hochwasserschutz der Bevölkerung ein, wehrt sich aber gegen den stetigen Kulturlandverlust. «Das Gespräch zeigte, das sich zahlreiche Anträge wie die Landflächen-und Kostenoptimierung sowie Verwertung des wertvollen Oberbodens vor Ort auch mit den Interessen des Kantons decken», so Hess weiter.

Der Kanton hat weiter zugesichert, dass für die Installationen nur so viele Flächen wie absolut nötig temporär beansprucht werden. Zudem wird sich der Kanton weiterhin aktiv darum bemühen, dass die für den Flugbetrieb nicht mehr benötigten Pistenflächen des Flugplatzes Kägiswil zurückgebaut und so die durch die Aufweitungen beanspruchten Fruchtfolgeflächen nach Möglichkeit vor Ort kompensiert werden können. Gestützt auf diese Zusicherungen hat der Bauernverband Obwalden die Einsprache zurückgezogen. Es verbleiben damit keine Einsprachen gegen das Gesamtprojekt Hochwassersicherheit Sarneraatal. Die Realisierung der baulichen Massnahmen entlang der Sarneraa ist in den Jahren 2024 bis 2026 geplant.

Zusammen mit der Genehmigung der dritten und letzten Etappe wurde der Entscheid über die Umweltverträglichkeit des Gesamtprojekts gefällt. Der Regierungsrat stellt fest, dass die Umweltverträglichkeit des Gesamtprojekts Hochwassersicherheit Sarneraatal gewährleistet ist.

Grosse Melchaa ohne grössere Schwierigkeiten unterquert
Ende Juni 2022 wurde zwischen Tunnelmeter 4700 und 4750 die Grosse Melchaa mit dem Einbau von schweren Stahlbögen unterquert. «Damit ist der Vortrieb des Hochwasserentlastungsstollens durch einen letzten Abschnitt mit erhöhten geologischen Risiken erfolgreich geschafft», freut sich Hess. Es fehlen noch rund 1800 Meter bis zum Stollendurchstich. Der Durchschlag wird gemäss aktueller Prognose im November 2022 erwartet.

Neuer Virtueller Baustellenrundgang
Als Alternative für den im November 2020 geplanten und wegen Covid-19 abgesagten «Tag der offenen Baustelle» wurde dannzumal ein virtueller Baustellenrundgang erstellt. Dieser brachte den Besuchern die Vorbereitungsarbeiten wie z.B. die Installation der Tunnelbohrmaschine näher. In der Zwischenzeit hat sich einiges auf der Baustelle getan und die Tunnelbohrmaschine hat schon beinahe drei Viertel der Stollenlänge ausgebrochen.

Um der Bevölkerung den aktuellen Baufortschritt zeigen zu können, wurde ein neuer virtueller Baustellenrundgang erstellt. Dieser zeigt den Besuchern, wie sich die Tunnelbohrmaschine durch den Berg fräst, das Ausbruchmaterial an die Oberfläche gelangt und schlussendlich im Südufer des Alpnachersees für die Schaffung von neuen Flachwasserzonen und Flachmoorflächen verwendet wird. Der virtuelle Baustellenrundgang ist auf www.hochwasserschutz.ow.ch zu finden. Der Besuch der Webseite erlaubt eine interaktive Besichtigung der Baustelle am Computer oder Smartphone und liefert spannende Informationen zu verschiedenen Schlüsselstellen des Grossprojektes.

RÜCKFRAGEN:
Donnerstag, 7. Juli 2022; 11.00 bis 11.30 Uhr; Landstatthalter Josef Hess, Vorsteher Bau- und Raumentwicklungsdepartement, Telefon 041 666 64 35