Kanton Nidwalden: Polizeiliche Kriminalstatistik PKS 2021

Im Kanton Nidwalden haben im vergangenen Jahr die Delikte gemäss Strafgesetzbuch (StGB) deutlich abgenommen. Allerdings hat die Corona-Pandemie den Trend zur Verlagerung von Kriminalität in den digitalen Raum weiter verschärft. Während die Zahl der Diebstähle zurückgegangen ist, haben Betrugsdelikte vor allem im Cyberbereich markant zugenommen. Neben dem Grundauftrag, Schutz und Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, hat auch im vergangenen Jahr die Umsetzung der
Corona-Bestimmungen die Polizeiarbeit im Kanton Nidwalden stark geprägt. Die Sicherheitslage darf aktuell als gut bis sehr gut bezeichnet werden.

Die Zahl der im Kanton Nidwalden polizeilich festgestellten Delikte gemäss StGB hat im Jahr 2021 (1’030) gegenüber dem Vorjahr (1’151) markant abgenommen (-10,5 Prozent). Auch die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz (-18 Prozent) und die Widerhandlungen gegen das Ausländerrecht (-52 Prozent) sind rückläufig. Der starke Rückgang im Ausländerrecht war in Anbetracht der Massnahmen gegen die
Corona-Pandemie zu erwarten.

Insgesamt wurden 335 beschuldigte Personen registriert, was im Vergleich zum Vorjahr (409 Personen) einen Rückgang von 18 Prozent darstellt.
Die Aufklärungsquote ist mit 42,2 Prozent (2020: 43,1 Prozent) praktisch auf dem gleichen Niveau geblieben und liegt leicht über dem Schweizerischen Durchschnitt (41,9 Prozent).

Vermögensdelikte: Weniger Einbruchdiebstähle

Mit 57 Prozent machen die Vermögensdelikte (587 Straftaten, -7 Prozent) nach wie vor den weitaus grössten Teil aller Straftaten gemäss StGB aus. Die Zahl der Diebstähle ist deutlich gesunken (Total 190 Straftaten, -11 Prozent); insbesondere bei Fahrzeugeinbruchdiebstählen (drei Straftaten, 57 Prozent) und Diebstählen ab / aus Fahrzeugen (20 Straftaten, -20 Prozent). Auch die Zahl der Einbruchdiebstähle (18 Straftaten, -70 Prozent) ist markant zurückgegangen. Dies dürfte unter anderem damit zu erklären sein, dass sich im letzten Jahr aufgrund der in Pandemie angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus viele Einwohnerinnen und Einwohner vermehrt zu Hause aufhielten und der Kriminaltourismus aufgrund von Einreisebeschränkungen vermindert stattfand. Der Trend der verübten Einbrüche ist wie in den Vorjahren rückläufig.

Hingegen sind die Einschleichdiebstähle (35 Straftaten, +59 Prozent), die Ladendiebstähle (25 Straftaten, +39 Prozent) und die Fahrzeugdiebstähle
(76 Straftaten, +13 Prozent) gestiegen. Ein Anstieg musste auch bei den Erpressungen (neun Straftaten, +125 Prozent) verzeichnet werden.

Rückgang der polizeilich registrierten Gewaltstraftaten

Im Jahr 2021 konnte ein beträchtlicher Rückgang bei den Gewaltdelikten
(153 Straftaten, -14 Prozent) registriert werden. Davon wurden 73 im öffentlichen und 69 im privaten Raum verübt. Die Anzahl Delikte im Bereich der schweren Gewalt – sie macht zwei Prozent aller Gewaltdelikte aus – bleibt mit drei Straftaten im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Erfreulicherweise kam es im Jahr 2021 – wie bereits im Jahr 2020 – zu keinem Tötungsdelikt. Auch die minderschweren Gewaltdelikte haben insgesamt abgenommen (108 Straftaten, -18 Prozent), wobei deutlich mehr Nötigungen (14 Straftaten, +75 Prozent) registriert wurden.

Anstieg digitalisierter Kriminalität: Betrüger sind vermehrt auf Kleinanzeigeplattformen aktiv

Die Betrugsdelikte haben im Jahr 2021 insgesamt stark zugenommen
(92 Straftaten, +80 Prozent). Davon wurden 85 Prozent im Internet oder mithilfe digitaler Instrumente verübt. In über der Hälfte dieser Fälle wurden auf Kleinanzeigeplattformen bestellte und bezahlte Waren nicht geliefert. Auch in anderen Deliktskategorien steigt der Anteil digitaler Tatbegehung. Unter anderem wurde im Bereich der Geldwäscherei ein Anstieg verzeichnet
(20 Straftaten, +100 Prozent). Durch Optimierung der polizeilichen Vorgehensweise konnte Geldwäscherei systematischer erkannt und bearbeitet werden, was insbesondere zu einer Zunahme von sogenannten
Money-Mule-Fällen führte. Die Verlagerung der Verübung von Straftaten in das Internet und die zunehmende Bedeutung digitaler Spuren ist deutlich spürbar. Die Digitalisierung der Gesellschaft und die technologische Entwicklung, die sich auch Straftäter in vielfältiger Weise zu Nutze machen, haben beträchtliche Auswirkungen auf die Polizeiarbeit, indem Aufwand und Komplexität der Fallbearbeitung kontinuierlich zunehmen.

Weniger Delikte gegen die sexuelle Integrität

Die Delikte gegen die sexuelle Integrität sanken von 36 im Jahr 2020 auf 27. Im Jahr 2021 mussten drei Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern bearbeitet werden (2020: Fünf Straftaten). die Anzeigen wegen sexueller Belästigung sanken von elf auf sechs Delikte. Weiter wurden eine Vergewaltigung sowie zwei Schändungen angezeigt.Auch die Fälle von illegaler Pornografie im Internet haben sich leicht von 16 auf 13 verringert. In diesem Zusammenhang empfehlen wir die Broschüre der Schweizerischen Kriminalprävention „Pornografie: Alles was Recht ist“ (www.skppsc.ch).

Fälle von häuslicher Gewalt leicht rückläufig

Im Bereich der häuslichen Gewalt sanken die Straftaten von total 80 auf 67
(-16 Prozent). Vorwiegend wurden minderschwere Tatbestände wie einfache Körperverletzung (vier Straftaten, -33 Prozent), Tätlichkeit (21 Straftaten,
-16 Prozent), Drohung (zehn Straftaten, -33 Prozent) und Beschimpfung
(17 Straftaten gleich wie 2020) angezeigt. Eine markante Zunahme ist beim Missbrauch einer Fernmeldeanlage zu verzeichnen (acht Straftaten,
+700 Prozent). Insgesamt musste die Kantonspolizei Nidwalden 2021 weniger oft wegen häuslicher Auseinandersetzungen ausrücken (105 Einsätze;
2020: 122 Einsätze). Um diese Entwicklung zu stärken, beabsichtigt die Kantonspolizei Nidwalden, die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen wie etwa dem Sozialamt, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde oder dem Frauenhaus weiter zu intensivieren. Die Broschüre der Schweizerischen Kriminalprävention „Zuhause im Unglück“ zeigt die Hilfsmöglichkeiten anschaulich auf (www.skppsc.ch).

Kantonales Bedrohungsmanagement gegen Konflikteskalationen

Die Polizei stellt insgesamt eine Zunahme konfliktorientierter Delikte wie Nötigung (+75 Prozent), Erpressung (+125 Prozent) oder Missbrauch einer Fernmeldeanlage (+700 Prozent) fest. Auch wenn Gewalt und Drohungen gegen Behörden und Beamte im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben sind (sechs Straftaten), zeigt ich insgesamt auch eine Zunahme von Delikten, die sich gegen das Handeln der öffentlichen Gewalt richten (+31 Prozent).
Um gefährlichen Eskalationen, sei es im privaten Umfeld, an Schulen oder am Arbeitsplatz vorbeugen zu können, lancierte die Kantonspolizei Nidwalden zusammen mit anderen Amtsstellen die Einführung eines kantonalen Bedrohungsmanagements. Durch eine strukturierte Zusammenarbeit verschiedenster Institutionen soll die Früherkennung sowie die kompetente Beurteilung gefährlicher Entwicklungen gestärkt und damit drohende Straftaten verhindert werden. Im Moment ist dieses Projekt in der Ämtervernehmlassung und es soll demnächst beim Regierungsrat die Einleitung des politischen Prozesses beantragt werden.

Mehr beschuldigte Minderjährige und junge Erwachsene

Von den 267 registrierten beschuldigten Personen, die gegen das StGB verstossen haben, verfügen 168 (63 Prozent) über die Schweizer Staatsangehörigkeit. Der Anteil der straffällig gewordenen Asylbevölkerung an der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen (StGB) hat leicht zugenommen (5,6 Prozent, 2020: 2,9 Prozent). Der Anteil ausländischer Straftäter ohne dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz hat sich hingegen verringert
(5,2 Prozent, 2020: 8,3 Prozent).

Die Zahl Minderjähriger, die gegen das StGB verstossen haben, hat deutlich zugenommen (+28,9 Prozent, total 58 Beschuldigte; davon 50 (+25 Prozent) männlich und acht (+60 Prozent) weiblich). Auch der Anteil der Minderjährigen am Gesamtvolumen aller identifizierter Beschuldigter von Straftaten gemäss StGB hat im Jahr 2021 um 7,5 Prozent zugenommen und liegt bei 21,7 Prozent. Eine leichte Zunahme ist auch bei den wegen StGB-Widerhandlungen Beschuldigten zwischen 18 und 24 Jahren zu verzeichnen (+1,5 Prozent,
total 41 Beschuldigte).

Leichte Abnahme der Betäubungsmitteldelikte

Im Jahr 2021 wurden 74 Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz rapportiert; leicht weniger als im Vorjahr (-16 Straftaten). Primär handelte es sich um Straftaten bezüglich Besitz und Konsum von Hanfprodukten.

Anzahl Suizide und Suizidversuche ist gestiegen

Im Jahr 2021 wurden zehn Suizidversuche (2020: Sechs) und 16 Suizide
(2020: Zehn) verzeichnet, wovon zwölf (2020: Sechs) durch Sterbehilfeorganisationen begleitet waren.

Der detaillierte Jahresbericht 2021 (PKS) kann unter www.nw.ch heruntergeladen werden.