Überraschender Rücktritt und Budget-Ablehnung

Rücktritt des Stanser Pfarrers und Medien-Zensur: Nidwaldner Kirchgemeindeversammlung lehnt das Budget 2022 ab und kritisiert den Kirchenrat

Massive Kritik am Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden: Die Nicht-Wahl von Pfarrer Dominik Flüeler und sein Rücktritt gaben ebenso zu reden wie die Medien-Zensur und deren Folgen. Die Kirchgemeindeversammlung lehnte am Montagabend in Stansstad das Budget 2022 ab, um ein Zeichen zu setzen.

Der untypische Menschenauflauf für eine Kirchgemeindeversammlung in Corona-Zeiten war Vorbote der Ereignisse, die noch folgen sollten. Der ungelöste Fall der Medien-Zensur vor einem Jahr im Vorfeld der Abstimmung zur Konzernverantwortungsinitiative und der offizielle Verzicht des Kirchenrates auf eine Wahlempfehlung des Stanser Pfarrers Dominik Flüeler ziehen weitere Kreise.

Die Kirchgemeindeversammlung Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden lehnte am Montagabend im Ökumenischen Kirchgemeindehaus Oeki in Stansstad das Budget 2022 deutlich ab. Der Antrag auf Ablehnung von Katrin Wüthrich aus Buochs im Namen des erkrankten Journalisten Delf Bucher wurde mit 33 Ja, 20 Nein und 12 Enthaltungen angenommen und zielte auf Vermittlung. Der Kirchenrat hatte weder Rückstellungen für Prozesskosten und Entschädigung der Medien-Zensur des Magazins Kirchen-News und die Freistellung des Redaktionsleiters Thomas Vaszary vorgenommen, noch sich um die Beilegung des Streits bemüht.

Thomas Vaszary ist Journalist in Hergiswil NW. Er war von 2015 bis 23. Oktober 2020 Redaktionsleiter des Magazins «Kirchen-News». Weil er sich gegen die Medien-Zensur im eigenen Magazin wehrte, wurde er vom Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden freigestellt.

Die Herausgeberin der «Kirchen-News», der Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden, hatte sich im Oktober 2020 mit der Zensur des eigenen Magazins über das mitunterzeichnete Redaktionsstatut hinweggesetzt und die Veröffentlichung eines Pro und Contra zur Konzernverantwortungsinitiative blockiert. Der Kirchenrat verhinderte hinter dem Rücken der Redaktion und des Redaktionsleiters die Fertigstellung des geplanten Contra-Beitrags von Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder. Damit machte er auch den Pro-Beitrag von Katharina Boerlin, Kirche für Konzernverantwortung, hinfällig.

Der Kirchenrat liess seither mehrere Gesprächstermine für eine Einigung verstreichen, so dass nun am 16. Dezember der Fall vor der Nidwaldner Schlichtungsstelle verhandelt werden muss. Gibt es keine Einigung, droht ein Prozess mit hohen Kosten. Eine weitere Klage wegen Amtsmissbrauchs wird zurzeit geprüft.

Keine Wahl von Pfarrer Dominik Flüeler

Gleich zu Beginn der Versammlung machte Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede deutlich, dass der Stanser Pfarrer Dominik Flüeler nicht zur Bestätigungswahl antreten werde. Flüeler las daraufhin eine Mitteilung vor. Er werde noch bis Ende Juni 2022 als Pfarrer tätig sein, teilte Flüeler mit. Es habe unauflösbare divergierende Ansichten mit dem Kirchenrat über die kirchenpolitische Ausrichtung gegeben.

Doch was genau ihm vorgeworfen wird und warum es zu einem Zerwürfnis mit dem Kirchenrat gekommen ist, blieb unklar. Dominik Flüeler durfte nichts sagen und Wolfgang Gaede wollte sich trotz mehreren Fragen der 78 Anwesenden nicht weiter dazu äussern, so dass der pensionierte Pfarrer Fritz Gloor entnervt Antrag auf Abbruch der Diskussion stellte. Mehrere Personen sprachen gar von indirekter Kündigung und Flüeler sei «gegangen worden».

Der Kirchenrrat hatte im offiziellen Büchlein zur Kirchgemeindeversammlung auf eine Wahlempfehlung von Pfarrer Dominik Flüeler verzichtet, jedoch die Pfarrkollegin und Kirchenrätin Silke Petermann-Gysin empfohlen. Diese wurde in einer Urnenabstimmung mit 45 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und 10 Enthaltungen für vier Jahre als Stanser Pfarrerin bestätigz und erhielt einen deutlichen Denkzettel.

Interessant: Damit muss nun genau jener Pfarrer das Feld räumen, der sich letztes Jahr mit einem privaten Inserat für die Konzernverantwortungsinitiative ausgesprochen und die Medien-Zensur in den Kirchen-News lautstark kritisiert hat, obwohl alle anderen Pfarrpersonen im Vorfeld der Abstimmung auch ein Ja eingestanden sind, Plakate aufgehängt und Flyer verteilt haben.

Strukturreform kommt nicht vom Fleck

Grosse Diskussionen entstanden auch zur seit 2018 geplanten und immer wieder verschobenen Strukturreform. Diese sieht einerseits eine Vereinfachung der Entscheidungswege vor, andererseits einer Verlagerung der Macht hin zum Kirchenrat. Der ehemalige Präsident der Kirchenpflege Hergiswil und frühere Kirchenrat Niels Fischer kritisierte den mangelnden Vernehmlassungsprozess an der Basis, die Abschaffung der demokratischen Pfarrwahl und die mangelnde Integration der Pfarrpersonen in die gemeinsame Leitung der Kirche. Wenn die Pfarrpersonen schon die drei Gemeindekreise und vier Kirchen leiten sollen, müssten sie auch entsprechend in die Führung eingebunden sein, sagte Fischer.

Im Januar oder Februar 2022 soll es zu einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung kommen, an der auch das neue Budget 2022 präsentiert werden muss. Erst letzte Woche war die bereits dritte Überprüfung von Verfassung und Kirchenordnung durch den kantonalen Rechtsdienst eingetroffen. Eine Auswertung fehlt noch. Niels Fischer legte nahe, diese Entwürfe zeitnah auf der Webseite einsehbar zu machen, damit sich die Mitglieder vorbereiten können. Dem widersetzte sich Gaede mit der Begründung, es gäbe Leute, welche lieber eine gedruckte Version erhalten würden. Immerhin lenkte Gaede nach mehrmaligem Intervenieren ein, die Dokumente früher als die gesetzlich vorgeschriebenen zehn Tage vor der Versammlung zu versenden.

Der budgetlose Zustand der Nidwaldner Kirche führt nun vorübergehend auch noch zu Finanzierungsproblemen. Der Kirchenrat hat es nun in der Hand, schnell die Probleme zu lösen und Vertrauen zurückzugewinnen.

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