Geri Dillier: Der Mann, der Obwaldens Kultur seit Jahrzehnten bewegt

In dieser Serie porträtiert Unterwalden24 Menschen, die unsere Region mit Herzblut, Ideen und persönlichem Einsatz prägen. Bekannte Persönlichkeiten ebenso wie stille Macherinnen und Macher, die Verantwortung übernehmen und Unterwalden bewegen. Heute begegnen wir Geri Dillier aus Sarnen.
Aufgewachsen mitten in Sarnen
Geri Dillier wurde 1949 in Sarnen geboren und wuchs im obersten Stock des Rathauses auf. Nach der Matura am damaligen Benediktinerkollegium studierte er an der Universität Zürich Germanistik und Philosophie.
Sprache und Literatur wurden zum roten Faden seines Lebens. Dabei interessierte ihn nicht nur das geschriebene Wort. Ihn faszinierte ebenso, wie ein Text gesprochen wird, wie Mundart klingt und wie Geschichten auf einer Bühne oder im Radio ihre Wirkung entfalten.
Bereits Ende der 1960er-Jahre setzte er mit Inszenierungen für die «Junge Bühne» in Sarnen erste Akzente. Es war der Beginn eines kulturellen Wirkens, das weit über einzelne Aufführungen hinausreichen sollte.
Mehr als 100 Hörspielproduktionen
1978 begann Geri Dillier beim Schweizer Radio DRS. Er arbeitete zunächst in verschiedenen redaktionellen Bereichen und später als Regisseur und Dramaturg in der Abteilung «Hörspiel und Unterhaltung». Zeitweise war er auch stellvertretender Abteilungsleiter.
Ab 1980 machte er sich schweizweit als Autor und Regisseur von Hörspielen einen Namen. Er bearbeitete literarische Stoffe, erzählte Geschichten für Kinder und griff Themen aus der Obwaldner und Innerschweizer Volkskultur auf.
Eine besondere Bedeutung hatte für ihn die Mundart. Sie war nicht bloss Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache voller Bilder, Zwischentöne und Ausdruckskraft. Dillier gab ihr im Hörspiel Raum, ohne sie zu verklären oder zur blossen Folklore werden zu lassen.
Als er 2014 pensioniert wurde, konnte er auf mehr als 100 eigene Produktionen zurückblicken. Mehrere seiner Arbeiten wurden national und international ausgezeichnet.
Die Heimat blieb seine Bühne
Trotz seiner beruflichen Tätigkeit in den Radiostudios von Bern und Zürich blieb Geri Dillier im Obwaldner Kulturleben fest verankert.
In den 1980er-Jahren prägte er als Regisseur das Theater Sachseln, später das Theater Sarnen. Er beriet das Kollegitheater und erarbeitete szenische Fassungen für das Märlitheater Obwalden.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt 2017 das Visionsgedenkspiel «Vo innä uisä» zum Gedenkjahr von Niklaus von Flüe. Dillier übernahm die Spielleitung und arbeitete eng am Theatertext mit. Das Stück setzte sich nicht nur mit dem historischen Bruder Klaus auseinander, sondern suchte einen Zugang zu seinen inneren Bildern und Visionen.
Dilliers Theaterarbeit zeigt, was Kultur in einer kleinen Region leisten kann: Sie greift vertraute Themen auf, stellt neue Fragen und bringt Menschen zusammen, die gemeinsam etwas schaffen.
Aus einem Restaurant wird eine Kulturbeiz
Zu seinen nachhaltigen Projekten gehört «Vo Gschicht zu Gschicht». Gemeinsam mit dem Fotografen Christof Hirtler initiierte Geri Dillier 2001 eine literarische Geschichten-Stafette.
Autorinnen und Autoren führten eine Erzählung über Jahre hinweg weiter. Das Projekt fand grossen Anklang und trug dazu bei, dass sich das Restaurant Krone in Giswil als Obwaldner Kulturbeiz etablierte.
Hier zeigt sich eine besondere Stärke Dilliers: Er brachte Kultur dorthin, wo Menschen ohnehin zusammenkommen. Literatur musste nicht in einem abgeschlossenen Raum stattfinden. Sie durfte mitten im gesellschaftlichen Leben ihren Platz einnehmen.
Bücher, Mundart und Begegnungen
2008 gründete Geri Dillier gemeinsam mit weiteren Literaturfreunden die IG Buch Obwalden. Sie organisiert bis heute Lesungen mit bekannten Autorinnen und Autoren und ermöglicht dem regionalen Publikum direkte Begegnungen mit dem literarischen Schaffen.
Im selben Jahr übernahm er mit seiner Frau Marta die Buchhandlung Pfammatter im Sarner Dorfzentrum. Daraus wurde «Bücher Dillier», die heute von Sohn Alban geführt wird. Damit blieb in Sarnen nicht nur eine Buchhandlung erhalten, sondern auch ein Treffpunkt für Literatur und Kultur.
Dillier wirkte zudem an der Kassettenreihe «Obwaldnerdytschi Gschichte» mit, engagierte sich für die erweiterte Neuauflage des Obwaldner Mundartwörterbuchs von Karl Imfeld und organisierte Themenabende und Hommagen. Von 1990 bis 1994 war er kantonaler Beauftragter für Kulturförderung.
Ein Förderer hinter den Kulissen
Ein wichtiger Teil seines Wirkens ist für das Publikum kaum sichtbar. Geri Dillier begleitete zahlreiche junge Kulturschaffende bei ihren ersten Schritten. Er gab Rückmeldungen, vermittelte Kontakte und half dabei, aus einer Idee ein tragfähiges Projekt zu machen.
Gerade in einer kleinen Kulturszene ist diese Arbeit entscheidend. Es braucht nicht nur Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Es braucht auch Menschen, die Potenzial erkennen, Mut machen und Türen öffnen.
Dillier verband die regionale Kulturszene mit einem Netzwerk, das weit über Obwalden hinausreichte. Dadurch kamen nationale Grössen nach Obwalden, während einheimische Talente Unterstützung und Sichtbarkeit erhielten.
Ein Lebenswerk mit Wirkung
2014 erhielt Geri Dillier bereits den Medienpreis der SRG Zentralschweiz. Mit dem Obwaldner Kulturpreis 2025 würdigte der Regierungsrat nun sein gesamtes kulturelles Lebenswerk.
Die Auszeichnung gilt einem Mann, der seit 1970 an unzähligen Projekten beteiligt war: als Regisseur, Dramaturg, Redaktor, Herausgeber, Kurator, Lektor, Berater und Veranstalter.
Seine grösste Leistung lässt sich deshalb kaum an einem einzelnen Hörspiel, Theaterstück oder Buch festmachen. Sie liegt in der Summe all dieser Arbeiten und in den Menschen, die er zusammengebracht, begleitet und gefördert hat.
Geri Dillier hat gezeigt, dass die Grösse einer Kulturlandschaft nicht von der Einwohnerzahl abhängt. Entscheidend sind Neugier, Ausdauer und Menschen, die bereit sind, immer wieder etwas in Bewegung zu bringen.
Damit ist er ein Unterwaldner Macher im besten Sinn: tief in seiner Heimat verwurzelt und zugleich offen für Geschichten, Stimmen und Ideen aus der ganzen Welt.
Quellen: Regierungsrat des Kantons Obwalden, Schweizer Radio und Fernsehen SRF sowie IG Buch Obwalden.



