Neue Bahn-Ära im Engelbergertal: Was sich ab Dezember 2026 verändert

Damit das möglich wird, baut die Zentralbahn nicht einfach nur ein zusätzliches Gleis. Zwischen Stansstad und Engelberg läuft ein umfangreiches Bauprogramm, das bereits 2025 begonnen hat und erst im Sommer 2027 vollständig abgeschlossen sein soll.
Im Zentrum steht eine nur rund 800 Meter lange neue Doppelspur bei Oberdorf. Sie ist entscheidend dafür, dass sich die Züge künftig an der richtigen Stelle kreuzen können. Gleichzeitig werden Brücken, Gleise, elektrische Anlagen, der Engelberg-Tunnel und weitere Bauwerke erneuert.
Für die Bevölkerung bedeutet das zunächst Einschränkungen – insbesondere während der grossen Streckensperre im Herbst. Danach aber verändert sich der öffentliche Verkehr im Engelbergertal deutlich.
Die Bauarbeiten laufen bereits seit November 2025
Was viele Reisende möglicherweise noch gar nicht wahrgenommen haben: Die Arbeiten für den grossen Umbau haben nicht erst im Herbst 2026 begonnen.
Bereits seit November 2025 laufen zwischen Stansstad und Engelberg Vorarbeiten. Dazu gehören unter anderem die Aufschüttung von Baupisten, das Einrichten von Installationsplätzen, der Bau von Fahrleitungsfundamenten sowie Arbeiten an Stützmauern, Durchlässen und Brücken.
Diese Vorbereitungsphase dauert bis Ende August 2026. Der normale Bahnbetrieb kann während dieser Zeit weitgehend aufrechterhalten werden. Teilweise sind allerdings Arbeiten in der Nacht notwendig.
Auch im August und Anfang September wird bereits intensiv vorbereitet. Zwischen Wolfenschiessen und Grafenort sowie in der Bodenkurve in Engelberg finden Nachtarbeiten statt. Zwischen dem 17. August und 4. September gibt es zudem nächtliche Einschränkungen im Bahnverkehr Richtung Engelberg.
Vom 7. September an wird es ernst
Die eigentliche Intensivbauphase beginnt am Montag, 7. September 2026. Von diesem Zeitpunkt an ist die Bahnstrecke zwischen Stansstad und Engelberg vollständig für den regulären Bahnverkehr gesperrt.
Diese erste grosse Sperrphase dauert bis Sonntag, 18. Oktober 2026. Während dieser sechs Wochen verkehren Bahnersatzbusse. Reisende müssen mit längeren Fahrzeiten und teilweise veränderten Abfahrtsorten rechnen. Fahrräder können in den Ersatzbussen wegen der beschränkten Platzverhältnisse nicht mitgenommen werden.
Ab 19. Oktober fahren die Züge auf einem Teil der Strecke wieder. Richtung Engelberg sind die Arbeiten aber noch nicht beendet. Der obere Streckenabschnitt bleibt bis 1. November 2026 gesperrt. Auch dort verkehren weiterhin Bahnersatzbusse.
Damit dauert die eigentliche Phase mit grösseren Unterbrüchen vom 7. September bis 1. November 2026.
Nach dem 1. November ist noch nicht alles fertig
Ein wichtiger Unterschied: Wenn die Züge wieder fahren, bedeutet das nicht, dass sämtliche Bauarbeiten abgeschlossen sind.
Nach der Intensivbauphase beginnen die Nacharbeiten. Laut Zentralbahn dauern diese bis Juni 2027. Dabei werden Bauwerke fertiggestellt, Flächen rekultiviert sowie Installationsplätze und Baupisten schrittweise zurückgebaut.
Der Bahnbetrieb läuft während dieser Nacharbeiten wieder fahrplanmässig.
Der gesamte zeitliche Ablauf lässt sich deshalb einfach zusammenfassen:
November 2025 bis Ende August 2026: Vorarbeiten bei weitgehend normalem Bahnbetrieb.
7. September bis 18. Oktober 2026: Totalsperre Stansstad–Engelberg.
19. Oktober bis 1. November 2026: weitere Sperre auf dem oberen Abschnitt Richtung Engelberg.
Ab November 2026 bis Juni 2027: Nach- und Abschlussarbeiten bei wieder fahrplanmässigem Zugverkehr.
Warum braucht es diesen grossen Aufwand?
Der wichtigste Grund ist der geplante Halbstundentakt zwischen Luzern und Engelberg. Die Zentralbahn verzeichnet seit Jahren steigende Fahrgastzahlen und will zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Eine der entscheidenden Voraussetzungen dafür entsteht ausgerechnet in Oberdorf.
Im Gebiet Staldifeld zwischen Stans und Dallenwil wird ein rund 800 Meter langer Doppelspurabschnitt gebaut. Die Strecke durch das Engelbergertal ist ansonsten zu grossen Teilen einspurig. Züge können sich deshalb nur an bestimmten Stellen begegnen.
Mit der neuen Doppelspur entsteht eine zusätzliche Kreuzungsmöglichkeit. Dadurch lässt sich der Fahrplan so gestalten, dass künftig in beiden Richtungen wesentlich häufiger gefahren werden kann.
Anders gesagt: 800 Meter neues Gleis helfen dabei, den Fahrplan eines ganzen Tals zu verändern.
Dallenwil und Wolfenschiessen profitieren besonders
Für die Bevölkerung geht es nicht nur darum, dass Touristen schneller oder häufiger nach Engelberg gelangen.
Mit dem neuen Fahrplankonzept werden insbesondere Dallenwil und Wolfenschiessen besser in die schnelle Verbindung zwischen Engelberg, Stans und Luzern eingebunden. Künftig sollen die schnellen Züge im Halbstundentakt verkehren.
Gleichzeitig wird das bisherige S-Bahn-System neu geordnet. Die S4 soll grundsätzlich nur noch zwischen Luzern und Stans verkehren. Für das obere Engelbergertal übernehmen dafür die schnellen Verbindungen eine wichtigere Rolle.
Damit verändert sich die Bahnverbindung auch für Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie für Menschen, die regelmässig zwischen den Nidwaldner Gemeinden unterwegs sind.
Bedeutet das doppelt so viele Züge durch Stans?
Nicht unbedingt. Das ist ein interessanter Aspekt des neuen Fahrplankonzepts.
Der Halbstundentakt nach Engelberg wird nicht einfach zusätzlich auf den heutigen Fahrplan draufgesetzt. Gleichzeitig werden bestehende Verbindungen neu organisiert. Unter anderem wird die S4 grundsätzlich nach Stans zurückgenommen.
Das Bahnangebot wird also teilweise neu verteilt. Deshalb darf aus dem Halbstundentakt nach Engelberg nicht automatisch geschlossen werden, dass sich die Zahl sämtlicher Zugbewegungen durch Stans entsprechend verdoppelt.
Für Reisende soll das System gleichzeitig einfacher werden: Richtung Engelberg steht künftig regelmässig eine schnelle Verbindung zur Verfügung.
Nicht nur das Staldifeld wird umgebaut
Die lange Sperre im Herbst hat noch einen weiteren Grund: Die Zentralbahn nutzt sie, um zahlreiche Projekte gleichzeitig umzusetzen.
In Stans wird die Gerbibrücke über die A2 umfassend saniert. Zwischen Stans und Dallenwil werden Fahrbahn und elektrische Anlagen erneuert. Im Bereich der neuen Doppelspur müssen zudem Zufahrtsstrassen sowie Fuss-, Wander- und Velowege angepasst werden.
Zwischen Wolfenschiessen und Grafenort werden weitere Streckenabschnitte erneuert. Teilweise geht es dabei noch um Infrastruktur, die nach den schweren Unwettern von 2005 zunächst vor allem so instandgesetzt worden war, dass der Bahnbetrieb möglichst schnell wieder aufgenommen werden konnte.
Auch der Engelberg-Tunnel wird teilsaniert. Unter anderem werden Abdichtung und Entwässerung verbessert sowie die Tunnelbeleuchtung modernisiert. In der Bodenkurve in Engelberg werden zusätzlich Stütz- und Schutzbauwerke instandgesetzt und Massnahmen gegen Steinschlag umgesetzt.
Teilweise wird fast rund um die Uhr gearbeitet
Wie intensiv die Bauphase wird, zeigen die vorgesehenen Arbeitszeiten.
Zwischen Stans und Dallenwil, wo unter anderem die Doppelspur Staldifeld entsteht, sind während der Sperre Arbeiten von Montag bis Freitag zwischen 5 Uhr morgens und 1 Uhr nachts vorgesehen.
Im Engelberg-Tunnel soll während der Intensivphase sogar von Montag bis Sonntag gearbeitet werden. Im Raum Engelberg sind teilweise Arbeiten bis 2 Uhr nachts vorgesehen. Auch einzelne Nacht- und Sonntagseinsätze können notwendig werden.
Die Zentralbahn begründet die konzentrierte Bauweise damit, dass möglichst viele Projekte während derselben Streckensperre ausgeführt werden sollen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Strecke für jedes einzelne Projekt erneut über längere Zeit gesperrt werden muss.
Auch auf den Strassen kann es mehr Verkehr geben
Von den Bauarbeiten sind nicht nur Bahnreisende betroffen.
Die Zentralbahn rechnet während der Bauphase mit deutlich mehr Baustellenverkehr zwischen Stansstad und Engelberg. Hinzu kommen die zahlreichen Bahnersatzbusse.
Im Raum Stans und Oberdorf kann es beispielsweise auf der Engelbergerstrasse zeitweise zu Verkehrsregelungen und Einschränkungen kommen. Auch an Bahnübergängen sind vorübergehende Sperrungen möglich.
Der Velo- und Wanderweg im Bereich Staldifeld wird wegen der neuen Gleisführung umgelegt und bleibt nach Angaben der Zentralbahn bis Ende 2026 gesperrt.
Warum Engelberg mehr Bahnkapazität braucht
Die Investitionen kommen nicht von ungefähr. Die Zentralbahn verzeichnet – mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 – jährlich steigende Gästezahlen. Entsprechend wächst der Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten.
Gerade die Strecke nach Engelberg muss unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen. Sie ist Pendlerverbindung für das Engelbergertal und gleichzeitig eine wichtige touristische Achse. Wintersport, Titlis, Wandern und der internationale Tourismus sorgen an stark frequentierten Tagen für hohe Passagierzahlen.
Der Halbstundentakt ist deshalb mehr als eine Komfortverbesserung. Er soll zusätzliche Kapazitäten schaffen und die Bahnverbindung langfristig leistungsfähiger machen.
Erst bauen, dann alle 30 Minuten nach Engelberg
Bis dahin steht dem Engelbergertal allerdings ein intensiver Bauherbst bevor. Besonders zwischen dem 7. September und 1. November 2026 müssen sich Reisende auf erhebliche Einschränkungen einstellen.
Danach soll der Nutzen sichtbar werden: schnellere und regelmässigere Verbindungen für Dallenwil und Wolfenschiessen, bessere Verbindungen Richtung Engelberg und ein dichteres Angebot zwischen Engelberg, Nidwalden und Luzern.
Und ausgerechnet ein relativ unscheinbares Bauwerk spielt dabei die Schlüsselrolle: die rund 800 Meter neue Doppelspur im Staldifeld bei Oberdorf.
Die gesamte Baugeschichte dauert jedoch wesentlich länger als diese acht Wochen im Herbst. Sie begann mit Vorarbeiten bereits im November 2025 und wird mit den letzten Nacharbeiten voraussichtlich erst im Juni 2027 abgeschlossen sein. Die grosse Streckensperre ist damit lediglich die sichtbarste und intensivste Phase eines Projekts, das die Bahnverbindung durchs Engelbergertal langfristig verändern soll.



