Verborgene Orte in Unterwalden: 10 Plätze, die selbst Einheimische kaum kennen

Nidwalden und Obwalden kennt man für den Titlis, den Pilatus, das Stanserhorn und den Vierwaldstättersee. Doch abseits der bekannten Ausflugsziele gibt es Orte, an denen Geschichten, Natur und Vergangenheit auf überraschende Weise zusammentreffen. Wir zeigen zehn besondere Plätze in Unterwalden, die einen zweiten Blick verdienen.
1. Das Mondmilchloch am Pilatus
Hoch über dem Eigental befindet sich eine Höhle, um die sich seit Jahrhunderten Geschichten ranken. Das Mondmilchloch verdankt seinen Namen einer weissen, weichen Kalkablagerung, der sogenannten Mondmilch. Früher wurden dieser Substanz sogar heilende Kräfte zugeschrieben.
Die Höhle selbst ist wesentlich älter als diese Geschichten. Im Mondmilchloch wurden auch Spuren aus längst vergangenen Zeiten entdeckt. Knochen beziehungsweise Zähne von Höhlenbären zeigen, dass die Geschichte dieses Ortes bis weit in die letzte Eiszeit zurückreicht.
2. Die geheimnisvolle Festung Fürigen
Von aussen wirkt der Fels oberhalb des Vierwaldstättersees unscheinbar. Doch im Berg bei Stansstad verbirgt sich eine ehemalige Artilleriefestung der Schweizer Armee. Die Anlage entstand während des Zweiten Weltkriegs und war Teil des schweizerischen Réduits.
Heute kann man Teile der unterirdischen Anlage besichtigen. Schlafräume, Geschützstellungen, lange Gänge und technische Einrichtungen vermitteln einen Eindruck davon, wie sich Soldaten auf einen möglichen Angriff vorbereiteten. Besonders eindrücklich ist der Kontrast: draussen die idyllische Landschaft des Vierwaldstättersees, drinnen eine militärische Welt aus Beton und Stahl.
3. Die Bettlerküche oberhalb von Beckenried
Der Name allein macht neugierig. Die Bettlerküche liegt im Gebiet oberhalb von Beckenried und ist kein Restaurant, sondern eine markante Felsformation beziehungsweise Höhle. Solche natürlichen Unterstände wurden früher von Menschen aufgesucht, die unterwegs Schutz vor schlechtem Wetter benötigten.
Heute ist der Ort vor allem Wanderern bekannt. Wer dort steht, kann sich leicht vorstellen, welche Bedeutung ein geschützter Platz in früheren Jahrhunderten für Reisende, Hirten und andere Menschen unterwegs gehabt haben könnte.
4. Das Ranft – mehr als die Heimat von Bruder Klaus
Das Ranft bei Flüeli-Ranft gehört zwar zu den bekanntesten historischen Orten Obwaldens, doch viele Besucher kennen nur einen kleinen Teil seiner Geschichte. Hier zog sich Niklaus von Flüe, Bruder Klaus, im 15. Jahrhundert als Einsiedler zurück.
Seine Klause liegt tief in der Schlucht der Melchaa. Wer vom Dorf hinuntersteigt, merkt schnell, weshalb dieser Ort eine besondere Wirkung entfaltet. Das Rauschen des Wassers, die steilen Hänge und die Abgeschiedenheit schaffen eine Atmosphäre, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert zu haben scheint.
5. Die Burgruine Rosenberg in Giswil
Zwischen moderner Siedlung und Obwaldner Landschaft verstecken sich Spuren des Mittelalters. Die Burgruine Rosenberg erinnert an eine Zeit, in der lokale Adelsfamilien die Region prägten und Burgen wichtige Machtzentren waren.
Von den einstigen Gebäuden ist heute nur noch ein Teil erhalten. Gerade deshalb regt der Ort die Fantasie an. Wo heute Mauern und Geländeformen sichtbar sind, spielte sich vor Jahrhunderten das Leben einer völlig anderen Gesellschaft ab.
6. Die Überreste der alten Glasi in Hergiswil
Die Glasi Hergiswil ist weit über Nidwalden hinaus bekannt. Weniger bekannt ist, wie stark die Glasproduktion das Dorf über Generationen verändert hat. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich Hergiswil zu einem wichtigen Standort der Schweizer Glasherstellung.
Wer sich genauer mit dem Areal und seiner Umgebung beschäftigt, entdeckt Spuren dieser Industriegeschichte. Die Verbindung zwischen Handwerk, Feuer, See und Transportwegen erklärt auch, weshalb gerade Hergiswil zu einem Zentrum der Glasproduktion wurde.
7. Das abgelegene Niederrickenbach
Ein Dorf ohne normale Strassenverbindung ist in der dicht erschlossenen Schweiz ungewöhnlich. Niederrickenbach oberhalb von Dallenwil ist nur zu Fuss oder mit der Luftseilbahn erreichbar.
Der kleine Ort entwickelte sich rund um das Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach und wurde zu einem Wallfahrtsort. Wer hier ankommt, findet keine Durchgangsstrasse und keinen normalen Autoverkehr. Gerade diese Abgeschiedenheit macht Niederrickenbach zu einem der ungewöhnlichsten bewohnten Orte Nidwaldens.
8. Die Chärwaltenbrücke bei Kerns
Historische Verkehrswege erzählen oft mehr über eine Region als grosse Gebäude. Die Chärwaltenbrücke bei Kerns erinnert daran, wie schwierig Reisen und Warentransporte früher in der voralpinen Landschaft waren.
Brücken waren entscheidende Verbindungspunkte zwischen Dörfern, Alpen und Märkten. Heute fährt oder wandert man vielerorts in wenigen Minuten durch Gebiete, für deren Durchquerung Menschen früher erheblich mehr Zeit benötigten.
9. Die alten Wege am Lopper
Der Lopper zwischen Hergiswil, Stansstad und Alpnach war über Jahrhunderte ein natürliches Hindernis. Bevor moderne Strassen und Tunnel gebaut wurden, mussten Menschen andere Wege finden, um diese Engstelle zu überwinden.
Noch heute lassen sich in der Landschaft Spuren älterer Verkehrsverbindungen entdecken. Besonders spannend ist der Vergleich mit der Gegenwart: Autobahn, Eisenbahn und moderne Tunnel durchqueren heute einen Berg, der Reisende früher vor erhebliche Herausforderungen stellte.
10. Die abgelegenen Alpen über dem Engelbergertal
Oberhalb des Engelbergertals liegen zahlreiche Alpen, alte Wege und kleine Gebäude, die von der traditionellen Alpwirtschaft erzählen. Manche davon befinden sich weit entfernt von den grossen Wanderzielen und werden von Besuchern kaum wahrgenommen.
Hier zeigt sich ein anderes Unterwalden: alte Trockenmauern, einfache Alphütten, Waldwege und Weideflächen statt touristischer Infrastruktur. Viele dieser Orte sind keine spektakulären Sehenswürdigkeiten – und gerade deshalb vermitteln sie einen besonders authentischen Eindruck davon, wie die Berglandschaft über Generationen genutzt wurde.
Das unbekannte Unterwalden liegt oft direkt vor der Haustür
Man muss nicht weit reisen, um ungewöhnliche Orte zu entdecken. Zwischen Pilatus, Engelbergertal, Vierwaldstättersee und Sarneraatal liegen zahlreiche Plätze, deren Geschichten im Alltag leicht übersehen werden.
Manche erzählen von Höhlenbären und alten Sagen, andere vom Zweiten Weltkrieg, von Einsiedlern, mittelalterlichen Burgen oder jahrhundertealten Verkehrswegen. Und wahrscheinlich gibt es noch zahlreiche weitere solcher Orte.
Kennen Sie einen verborgenen Ort in Nidwalden oder Obwalden, den kaum jemand kennt? Dann schreiben Sie uns – vielleicht wird daraus die nächste Geschichte auf Unterwalden24.



