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Wo entstehen in Nidwalden die Arbeitsplätze der Zukunft?

KI-generiertes Bild

Nidwalden ist klein – wirtschaftlich aber erstaunlich stark aufgestellt. Flugzeugbau, Hightech, Gesundheitswesen, Software und Tourismus sorgen für Tausende Arbeitsplätze. Gerade jetzt zeigt sich, wohin die Reise gehen könnte: Neue Jobs entstehen zunehmend dort, wo Technologie, hochqualifizierte Fachkräfte und traditionelle Nidwaldner Stärken zusammentreffen.

Urs WederVon Urs Weder · 21. August 2026

Ein besonders deutliches Zeichen steht seit wenigen Tagen in Stans: Pilatus hat im August 2026 sein neues Hightech-Kompetenzzentrum «Schwarzhorn» eröffnet. Dort sollen künftig rund 300 Menschen arbeiten. Doch der Flugzeugbau ist nur ein Teil der Geschichte. Auch Gesundheitsberufe, Informatik, Digitalisierung und spezialisierte Dienstleistungen dürften den Nidwaldner Arbeitsmarkt der kommenden Jahre prägen.

300 Arbeitsplätze in einem einzigen neuen Gebäude

Das neue Pilatus-Kompetenzzentrum zeigt ziemlich konkret, was mit «Arbeitsplätzen der Zukunft» gemeint ist. Im Gebäude «Schwarzhorn» werden Entwicklung und Fertigung von Bauteilen aus faserverstärkten Kunststoffen erstmals unter einem Dach zusammengeführt. Diese sogenannten Composites sind leicht und gleichzeitig sehr belastbar. Beim PC-24 werden solche Materialien inzwischen auch für tragende Bauteile eingesetzt. Das spart Gewicht und letztlich auch Treibstoff. Für Nidwalden bedeutet die Investition: Neben klassischen Produktionsberufen werden Fachkräfte in Entwicklung, Konstruktion, Werkstofftechnik, Qualitätssicherung und hochautomatisierter Fertigung benötigt.

Hightech rund um den Flugplatz wird immer wichtiger

Die Entwicklung passt zur langfristigen Strategie des Kantons. Nidwalden will sich ausdrücklich im Hightech-Bereich und insbesondere an der Schnittstelle zur Aviatik positionieren.

Das ist kein kleines Ziel: In seinem Leitbild formuliert der Kanton die Absicht, die Zahl der Arbeitsplätze bis 2030 um 15 Prozent zu erhöhen. Das Wachstum soll sich vor allem auf Stans und Ennetbürgen konzentrieren, daneben auch auf Stansstad, Buochs und Hergiswil. Das Gebiet rund um Stans und den Flugplatz Buochs könnte damit noch stärker zu einem Arbeitsplatzschwerpunkt werden. Pilatus ist dabei der sichtbarste Akteur, aber längst nicht der einzige mögliche Profiteur. Rund um einen grossen Hightech-Betrieb entstehen Aufträge für Zulieferer, Ingenieurbüros, Logistik, Informatik und spezialisierte Dienstleister.

Software braucht keine grosse Fabrikhalle

Eine zweite Zukunftsbranche ist weniger sichtbar. In Stans befindet sich mit SoftwareOne ein international tätiges Technologieunternehmen. Die Wirtschaftsförderung Nidwalden hebt das Unternehmen auch 2026 als einen der wichtigen Akteure des Wirtschaftsstandorts hervor. Digitalisierung verändert gleichzeitig fast jeden traditionellen Beruf. Ein moderner Industriebetrieb benötigt heute Softwareentwickler, IT-Sicherheitsspezialisten und Datenfachleute genauso wie Mechaniker und Konstrukteure.

Selbst das Gesundheitswesen zeigt, wie weit diese Entwicklung bereits reicht: Die LUKS Gruppe setzt eine KI-unterstützte Dienstplanung ein. Bis Ende 2026 sollen sämtliche Standorte und Berufsgruppen einbezogen sein. Die Arbeitsplätze der Zukunft werden deshalb nicht nur in neuen Branchen entstehen. Viele bestehende Berufe werden schlicht digitaler.

Das Spital bleibt ein grosser Arbeitgeber

Hightech bedeutet aber nicht, dass künftig hauptsächlich Ingenieure und Informatiker gesucht werden. Ein völlig anderer Bereich dürfte mindestens ebenso wichtig bleiben: Gesundheit und Pflege. Das Spital Nidwalden beschäftigt mehrere hundert Menschen. Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte, medizinisch-technische Berufe, Therapiefachkräfte, Administration, Logistik und zahlreiche weitere Berufsgruppen werden auch künftig benötigt.

Gleichzeitig verändert sich die Medizin. Ambulante Behandlungen gewinnen an Bedeutung, digitale Systeme werden wichtiger und langfristig wird sogar ein kompletter Spitalneubau an einem neuen Standort im Kanton geprüft. Interessant ist dabei die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Ende 2025 meldete die LUKS Gruppe, dass die Pflegestellen an ihren Spitälern – darunter Stans – inzwischen weitgehend besetzt seien. Vorausgegangen waren Massnahmen für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Attraktivität der Pflegeberufe.

Auch der Staat sucht Fachkräfte

Nicht nur private Unternehmen kämpfen um qualifizierte Mitarbeitende. Beim Kanton Nidwalden arbeiteten 2025 insgesamt 937 Personen beziehungsweise 679 Vollzeitstellen. Der Kanton bezeichnet die Besetzung bestimmter Berufsgruppen weiterhin als herausfordernd. Interessant ist dabei, woher die Bewerbungen kommen: 36 Prozent stammten aus dem Kanton Luzern, aber lediglich 27 Prozent aus Nidwalden selbst. Das zeigt ein grundsätzliches Problem: Neue Arbeitsplätze zu schaffen ist das eine. Genügend Menschen zu finden, die diese Stellen besetzen können und wollen, ist etwas anderes.

Wohnen könnte zum entscheidenden Faktor werden

Und hier trifft die Wirtschaft auf ein ganz anderes Nidwaldner Problem. Unternehmen können attraktive Stellen schaffen – doch ihre Mitarbeitenden brauchen Wohnungen. Wenn Wohnraum knapp und teuer ist, wird es schwieriger, Fachkräfte langfristig im Kanton anzusiedeln.

Damit hängen zwei grosse Zukunftsfragen unmittelbar zusammen: Wo entstehen neue Arbeitsplätze – und wo sollen die Menschen wohnen, die dort arbeiten? Gerade für Pflegepersonal, junge Fachkräfte, Handwerker oder Familien kann dies entscheidend sein. Ein hoher Lohn allein macht einen Arbeitsort nicht attraktiv, wenn ein grosser Teil davon für die Wohnung aufgewendet werden muss.

Handwerker werden nicht plötzlich überflüssig

Bei all den Diskussionen über künstliche Intelligenz und Digitalisierung sollte eine weitere Gruppe nicht vergessen werden: das klassische Gewerbe.

Elektriker, Gebäudetechniker, Heizungsinstallateure, Schreiner, Metallbauer und zahlreiche andere Fachkräfte werden weiterhin gebraucht. Ihre Arbeit verändert sich allerdings. Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Gebäudeautomation, Elektromobilität und energieeffizientes Bauen verlangen zunehmend zusätzliches technisches Wissen. Der Handwerker der Zukunft arbeitet deshalb möglicherweise weiterhin mit Werkzeug – aber ebenso selbstverständlich mit Tablet, Software und digitaler Gebäudetechnik.

Nidwalden will nicht einfach möglichst viele Arbeitsplätze

Interessant ist die wirtschaftspolitische Strategie des Kantons. Es geht nicht allein darum, möglichst viele neue Firmen anzusiedeln. Nidwalden möchte eine stärker diversifizierte, aber klar positionierte Wirtschaftsstruktur und legt bei Gewerbe- und Industrieflächen Wert auf eine hohe Arbeitsplatz- und Wertschöpfungsdichte.

Das ist für einen kleinen Kanton entscheidend. Boden ist knapp. Eine riesige Fläche für wenige Arbeitsplätze ist langfristig weniger attraktiv als Unternehmen, die auf vergleichsweise wenig Raum viele qualifizierte Stellen schaffen. Genau deshalb passen Hightech, Aviatik, Software und spezialisierte Dienstleistungen besonders gut zu Nidwalden.

Die vielleicht wichtigste Ressource sind die Menschen

Das neue Pilatus-Gebäude mit rund 300 Arbeitsplätzen ist spektakulär. Doch Gebäude allein schaffen noch keinen erfolgreichen Wirtschaftsstandort.

Die entscheidende Frage wird sein, ob Nidwalden genügend Ingenieurinnen, Informatiker, Pflegefachkräfte, Handwerker, Techniker und gut ausgebildete junge Menschen gewinnen und halten kann. Dazu braucht es Ausbildungsplätze, attraktive Arbeitgeber, gute Verkehrsverbindungen – und eben auch bezahlbaren Wohnraum.

Die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen in Nidwalden wahrscheinlich nicht in einer einzigen neuen Branche. Sie entstehen dort, wo eine traditionelle Stärke des Kantons auf neue Technologien trifft: in der Aviatik, im Gesundheitswesen, in der Digitalisierung und in einem Gewerbe, das zunehmend technischer wird.

Und das neue «Schwarzhorn» in Stans zeigt bereits heute, dass diese Zukunft nicht irgendwann beginnt. Sie wird gerade gebaut.

Die Entwicklung rund um Pilatus ist momentan besonders aktuell: Das neue Composite-Kompetenzzentrum wurde erst am 14. August 2026 offiziell in Betrieb genommen

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