Asylwesen in Nidwalden: Volle Unterkünfte, politische Kritik – wie angespannt ist die Lage wirklich?

Das Asylwesen beschäftigt auch den kleinen Kanton Nidwalden. Neue Zuweisungen durch den Bund, knapper Wohnraum und steigender Betreuungsaufwand stellen den Kanton vor Herausforderungen. Gleichzeitig ist die politische Diskussion deutlich schärfer geworden. Doch wie sieht die Situation tatsächlich aus?
Sechs grössere Unterkünfte im Kanton
2025 betreute Nidwalden Asylsuchende und Flüchtlinge hauptsächlich in sechs Kollektivunterkünften. Zusammen verfügen diese über rund 367 Plätze:
- Asylzentrum Ennetmooserstrasse, Stans: 80 Plätze
- Asylunterkunft Stansstaderstrasse, Stans: 31 Plätze
- Asylunterkunft Rotzloch, Stansstad: 70 Plätze
- Zeughaus Oberdorf: 56 Plätze
- Haus Mettenweg, Stans: 50 Plätze
- Ehemaliges Hotel Postillon, Buochs: 80 Plätze
Familien versucht der Kanton nach Möglichkeit nicht in grossen Kollektivunterkünften, sondern in Mietwohnungen in den elf Nidwaldner Gemeinden unterzubringen. Damit soll ihnen ein möglichst normales und familiengerechtes Umfeld ermöglicht werden. Gleichzeitig will der Kanton vermeiden, den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt zusätzlich stark zu belasten.
Weniger neue Asylsuchende – aber hoher Betreuungsaufwand
Die aktuellsten Zahlen zeigen zunächst eine leichte Entspannung: Im Jahr 2025 wurden 52 neue Asylsuchende registriert, gegenüber 66 im Vorjahr. Ende 2025 lebten 86 Personen mit Status N – also mit einem laufenden Asylverfahren – im Kanton.
Hinzu kamen vorläufig aufgenommene Personen, anerkannte Flüchtlinge sowie Schutzsuchende aus der Ukraine.
Allein aus der Ukraine wurden Nidwalden 2025 weitere 73 Personen mit Schutzstatus S zugewiesen.
Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur in der Zahl der Menschen. Der Kanton weist in seinem Rechenschaftsbericht ausdrücklich auf die grosse sprachliche und kulturelle Vielfalt hin. Die betreuten Personen stammten aus 27 Nationen. Viele verfügten nur über Kenntnisse ihrer jeweiligen Landessprache, teilweise fehlten auch Lese- und Schreibkenntnisse.
Das macht Betreuung, Integration, Schule und den Einstieg in den Arbeitsmarkt entsprechend anspruchsvoll.
Zeughaus Oberdorf bleibt Asylunterkunft
Ein Zeichen dafür, dass Nidwalden weiterhin mit einem längerfristigen Unterbringungsbedarf rechnet, ist das Zeughaus in Oberdorf.
Seit Frühjahr 2023 werden dort Schutzsuchende aus der Ukraine untergebracht. Durchschnittlich leben rund 40 Menschen im Gebäude. Der Kanton entschied 2025, die Nutzung weiterzuführen. Nach Angaben der Regierung hat sich der Standort bewährt und benötigt keine zusätzlichen Investitionen.
Auch das ehemalige Hotel Postillon in Buochs ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Unterbringung. Es wird seit August 2024 als Asylunterkunft genutzt und bietet Platz für bis zu 80 Personen.
Politisch ist das Thema umstritten
Während die Zahl der neu eintretenden Asylsuchenden zuletzt zurückging, hat sich die politische Diskussion verschärft.
Der Nidwaldner Landrat stimmte im Oktober 2025 mit lediglich einer Stimme Unterschied einer Motion zu, die unter anderem schnellere Asylverfahren und einen vorübergehenden Zuweisungsstopp durch den Bund fordert: 27 Mitglieder stimmten dafür, 26 dagegen, zwei enthielten sich.
Bemerkenswert ist, dass auch der Regierungsrat wesentliche Anliegen unterstützte. Er sieht unter anderem Handlungsbedarf bei effizienteren Verfahren, einer besseren Steuerung der Zuwanderung und mehr Kostentransparenz. Gleichzeitig stellte die Regierung klar, dass ein eigentlicher Zuweisungsstopp rechtlich kaum umsetzbar sein dürfte.
Gibt es in Nidwalden ein Asylproblem?
Die Antwort fällt weniger eindeutig aus, als die politische Debatte vermuten lässt.
Von einem Zusammenbruch des Nidwaldner Asylsystems kann aufgrund der verfügbaren Zahlen nicht gesprochen werden. Die Zahl der neuen Asylsuchenden mit laufendem Verfahren ist 2025 sogar zurückgegangen.
Die Belastung ist dennoch real: Nidwalden muss mehrere hundert Unterkunftsplätze bereithalten, zusätzlich Wohnungen organisieren und Menschen aus zahlreichen Herkunftsländern betreuen und integrieren. Dazu kommen die Kosten sowie die Unsicherheit darüber, wie viele Personen der Bund künftig zuweisen wird.
Damit steht der kleine Kanton vor demselben Problem wie viele andere Regionen der Schweiz: Wie lässt sich humanitäre Verantwortung erfüllen, ohne Gemeinden, Wohnungsmarkt und öffentliche Finanzen zu überfordern?
Diese Frage dürfte Nidwalden auch in den kommenden Jahren beschäftigen.



