unterwalden24Inserieren
Start › News › Zwischen Weltcup und Bauernhof: Janik Riebli aus Giswil im Spitzensport

Zwischen Weltcup und Bauernhof: Janik Riebli aus Giswil im Spitzensport

Im Winter kämpft Janik Riebli im Langlauf-Weltcup um Hundertstelsekunden und Podestplätze. Zu Hause in Giswil wartet eine völlig andere Welt: der Bauernhof seiner Familie, Kühe und die Arbeit in der Landwirtschaft. Der 27-jährige Obwaldner gehört mittlerweile zur Schweizer Langlauf-Nationalmannschaft – doch der Weg dorthin hat ihm auch gezeigt, wie nahe Erfolg, Enttäuschung und Zweifel im Spitzensport beieinanderliegen.

Urs WederVon Urs Weder · 2. Oktober 2026

Ein Giswiler in der Weltspitze

Janik Riebli ist längst kein Nachwuchstalent mehr. Der Sprinter vom SC Schwendi-Langis gehört zur höchsten Kaderstufe von Swiss-Ski und bleibt auch für die Saison 2026/27 Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft. Neben ihm besitzen im Langlauf Nadja Kälin und Anja Weber Nationalmannschaftsstatus

Riebli hat inzwischen 83 Weltcupstarts und fünf Podestplätze in seiner Karriere vorzuweisen. Sein Weltcupdebüt gab er bereits im Dezember 2018 in Davos. In der Saison 2025/26 belegte er Rang 13 in der Sprintwertung. 

Das sind Zahlen, die zeigen, wie weit der Giswiler gekommen ist. Doch sein bisher wohl emotionalster Wettkampf endete ausgerechnet ohne Medaille.

Eine Sekunde fehlte zum grossen Olympia-Traum

Am 18. Februar 2026 stand Riebli gemeinsam mit Valerio Grond im olympischen Teamsprint im Val di Fiemme am Start.

Bis zum Schluss lag eine Medaille in Reichweite. Riebli übergab für die letzte Runde nur wenige Sekunden hinter der Spitze an Grond. Am Ende erreichten die Schweizer Rang vier – knapp hinter Italien. Swiss-Ski beziffert den Abstand zum Podest auf lediglich eine Sekunde. 

Riebli sagte unmittelbar nach dem Rennen, dass sich die beiden nichts vorwerfen könnten. Gleichzeitig war die Enttäuschung über die hauchdünn verpasste Medaille spürbar. 

Auch zu Hause wurde mitgefiebert. Die Gemeinde Giswil gratulierte ihrem Langläufer später ausdrücklich zum vierten Olympia-Rang und bezeichnete das verpasste Edelmetall als eine Entscheidung «um Haaresbreite». 

Wenn ein vierter Platz gleichzeitig Erfolg und Enttäuschung ist

Genau solche Momente zeigen die besondere Belastung des Spitzensports.

Jahrelanges Training kann sich innerhalb weniger Minuten entscheiden. Zwischen einer olympischen Medaille und Rang vier können am Ende Sekunden oder sogar Sekundenbruchteile liegen.

Riebli kennt diese Nähe zwischen Erfolg und Enttäuschung auch aus dem Weltcup. In Davos fehlte ihm mit Noe Näff im Dezember 2025 als Viertplatziertem gerade einmal eine halbe Sekunde auf Rang drei. Im März 2026 kämpfte er beim Weltcup-Sprint in Lahti erneut bis zuletzt um das Podest. 

Wer dauerhaft auf diesem Niveau bestehen will, muss deshalb nicht nur körperlich schnell sein. Er muss auch mit Rückschlägen umgehen können.

Zu Hause wartet keine Loipe, sondern der Bauernhof

Und dann gibt es die andere Seite von Janik Riebli.

Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Wenn der Weltcup-Zirkus Pause macht, führt sein Weg immer wieder zurück zur Familie und in die Landwirtschaft. Berichte über Riebli beschreiben, wie er auf dem Familienbetrieb mithilft, auf dem rund 30 Kühe gehalten werden. 

Der Kontrast könnte kaum grösser sein. Hier internationale Rennen, Reisen, Trainingspläne und Ergebnislisten. Dort Stallarbeit, Tiere und ein Alltag, der wenig mit Ranglisten zu tun hat.

Gerade diese Verbindung macht Rieblis Geschichte für Obwalden besonders. Er ist internationaler Spitzensportler – und gleichzeitig tief mit seiner Heimat verbunden.

Giswil bleibt der Gegenpol zum Weltcup

Der Bauernhof kann dabei mehr sein als Arbeit. Er steht für einen Alltag ausserhalb jener Welt, in der jede Leistung gemessen wird.

Denn im Weltcup gibt es kaum einen Lauf ohne Zahlen: Zwischenzeiten, FIS-Punkte, Ranglisten, Sprintqualifikation und Weltcupwertung. Auf dem Hof gelten andere Massstäbe.

Dass Riebli diesen Ausgleich braucht, passt auch zu dem, was Swiss-Ski über ihn selbst festhält. Als persönliche Interessen nennt er Klettern und das Draussensein in der Natur. Und bei seinem Lieblingsessen wird es ausgesprochen bodenständig: Älplermagronen. 

Der nächste Winter wartet bereits

Lange ausruhen kann sich ein Langläufer auf diesem Niveau nicht.

Für die Saison 2026/27 besitzt Riebli weiterhin den höchsten Swiss-Ski-Kaderstatus. Nach dem Rücktritt von Nadine Fähndrich und den starken Schweizer Olympia-Auftritten startet das Langlaufteam zudem in eine neue Phase. Swiss-Ski blickt auf einen Winter zurück, in dem die Schweizer Equipe bei Olympia zwei Medaillen und zwei vierte Plätze erreichte. Riebli gehörte auch im Weltcup zu jenen Schweizer Athleten, die mehrfach unter die besten sechs liefen. 

Damit steigen zwangsläufig auch die Erwartungen.

Aus dem jungen Giswiler, der sich seinen Platz im Weltcup erkämpfen musste, ist ein Athlet geworden, von dem Spitzenresultate erwartet werden.

Zwischen zwei Welten

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Geschichte von Janik Riebli.

Im Winter entscheidet manchmal eine Sekunde darüber, ob er mit einer olympischen Medaille nach Hause kommt. In Giswil wartet dagegen ein Alltag, in dem eine Stoppuhr kaum eine Rolle spielt.

Der Bauernhof nimmt ihm den Druck des Spitzensports nicht ab. Aber er gibt ihm etwas, das im internationalen Sport selten geworden ist: einen Ort ausserhalb von Resultaten, Ranglisten und Erwartungen.

Und wenn Riebli im kommenden Winter wieder an einer Startlinie im Weltcup steht, fährt deshalb auch ein Stück Giswil mit.

Vom Bauernhof in Obwalden bis an die Spitze des internationalen Langlaufs – viel weiter könnten zwei Welten kaum auseinanderliegen. Und bei Janik Riebli gehören sie trotzdem zusammen.