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95 Jahre und kein bisschen verstaubt: Warum die Tracht in Nidwalden weiterlebt

Nach den Festivitäten lohnt sich der Blick hinter die Kulissen. Denn 95 Jahre Vereinsgeschichte sind alles andere als selbstverständlich.

Urs WederVon Urs Weder · 18. September 2026

Als die Trachtengruppe Buochs 1931 gegründet wurde, zählte sie lediglich 14 Mitglieder. Heute gibt die Gruppe 136 Mitglieder an und bezeichnet sich als eine der grössten Tanzgruppen der Schweiz.

Wie schafft es eine Tradition aus einer völlig anderen Zeit, auch im Jahr 2026 noch Menschen zusammenzubringen?

Tracht ist viel mehr als ein schönes Kleid

Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis. Wer bei Tracht nur an historische Kleider denkt, sieht nur einen kleinen Teil.

In Nidwalden gehören Trachtentanz, Musik, Jodel, Naturjuiz, Alphorn und Fahnenschwingen zur gelebten Tradition. Auch alte rhythmische Formen wie «tätschlen», «löffelen», «chlefelen» und «bäselen» werden gepflegt.

Es geht also nicht darum, Vergangenheit in einer Vitrine aufzubewahren.

Die Tradition wird getanzt, gespielt, gesungen und gemeinsam erlebt.

Der Nachwuchs ist entscheidend

Besonders wichtig sind die Kinder. Bereits 1933, nur zwei Jahre nach der Vereinsgründung, entstanden in Buochs Kindertrachten. Bis heute werden Kinder an Tänze und Brauchtum herangeführt.

Damit passiert etwas Entscheidendes: Tradition wird nicht erst erklärt, wenn jemand erwachsen ist. Sie wird schon früh erlebt.

Wer als Kind mittanzt, verbindet damit später nicht bloss Schritte und Musik, sondern Menschen, Feste und Erinnerungen.

Eine Tradition, die im Dorf sichtbar geblieben ist

Buochs ist dabei kein Einzelfall. Bereits 1927 entstand in Stans eine Trachtenvereinigung für Frauen und Töchter. 1940 wurde die Kantonale Trachtenvereinigung Nidwalden gegründet. Heute gehören ihr die Gruppen Beckenried, Buochs, Ennetbürgen und Stans an.

Die Tracht verschwindet dabei nicht nach einem Auftritt wieder im Schrank. Sie gehört weiterhin zu kirchlichen und gesellschaftlichen Anlässen und ist auch eng mit den Nidwaldner Älplerchilbis verbunden.

Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb sie in Nidwalden bis heute Bestand hat: Sie ist Teil des Dorflebens geblieben.

Was ein Smartphone nicht ersetzen kann

Natürlich hat sich Nidwalden in diesen 95 Jahren enorm verändert. Freizeitangebote sind beinahe grenzenlos geworden, Vereine konkurrieren um Mitglieder und insbesondere jüngere Menschen verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit digital.

Und trotzdem wird getanzt, gejodelt, musiziert und Tracht getragen.

Vielleicht bieten solche Vereine gerade heute etwas, das moderner ist, als es auf den ersten Blick erscheint: echte Gemeinschaft.

Menschen unterschiedlichen Alters treffen sich, üben gemeinsam, organisieren Veranstaltungen und übernehmen Verantwortung. Man kennt sich nicht nur über einen Gruppenchat – man steht gemeinsam auf der Tanzfläche.

1931 begann alles – 2026 wird weitergetanzt

Das Jubiläumsfest in Buochs ist deshalb mehr als nur ein dreitägiger Anlass.

Es zeigt, dass Tradition nicht automatisch altmodisch sein muss. Sie funktioniert dann, wenn eine neue Generation bereit ist, sie weiterzuführen – und gleichzeitig genügend Platz vorhanden ist, sie weiterzuentwickeln.

Vor 95 Jahren begannen in Buochs 14 Menschen mit einer Trachtengruppe.

Dieses Wochenende wird wieder getanzt, musiziert, gegessen und gefeiert.

Und nach 95 Jahren sieht es keineswegs danach aus, als wäre der letzte Tanz getanzt.