95 Jahre Trachtengruppe Buochs: Drei Tage Fest für eine lebendige Tradition

Buochs steht an diesem Wochenende ganz im Zeichen der Tracht. Vom 18. bis 20. September 2026 feiert die Trachtengruppe Buochs ihr 95-jähriges Bestehen. Drei Tage mit Tanz, Musik, regionalen Spezialitäten und Gästen aus dem In- und Ausland. Doch hinter dem Fest steckt eine bemerkenswerte Geschichte: Ein Verein, der 1931 mit gerade einmal 14 Mitgliedern begann, ist fast ein Jahrhundert später noch immer lebendig.
Das grosse Festwochenende in Buochs
Unter dem Motto «tanzä – gniässä – fäschtä» wird rund um das Trachtenhaus Buochs drei Tage lang gefeiert. Das Jubiläum verbindet Tradition mit einem richtigen Dorffest.
Freitag, 18. September – Auftakt mit Tanz
Um 20.00 Uhr beginnt das Jubiläumswochenende mit einem volkstümlichen Tanzabend. Für die musikalische Unterhaltung sorgt die einheimische Formation «Wilti-Gruess».
Eine grosse Tanzfläche steht allen offen. Dazu gibt es Festwirtschaft, Kaffeestube, Bar und Tombola.
Eintritt: 10 Franken.
Samstag, 19. September – der grosse Jubiläumstag
Bereits ab 11.00 Uhr dreht sich beim regionalen Genusstag vieles um Spezialitäten und Produkte aus der Region.
Um 13.30 Uhr beginnt der Tanznachmittag mit verschiedenen Trachtengruppen.
Der Höhepunkt folgt um 20.00 Uhr mit dem grossen Jubiläumsabend zum 95-jährigen Bestehen. Dabei sind auch Gäste aus Deutschland und Österreich. Danach darf weitergetanzt und gefeiert werden.
Eintritt Tanznachmittag und Abend: 25 Franken inklusive 5-Franken-Wertbon.
Nur Samstagabend: 15 Franken – im Trachtengewand 10 Franken.
Sonntag, 20. September – gemeinsamer Abschluss
Am Eidgenössischen Bettag findet im Festzelt ein Gottesdienst für die ganze Bevölkerung mit volkstümlicher Umrahmung statt.
Danach werden Älplermagronen serviert. Mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen klingt das Jubiläumswochenende aus.
Festort: Trachtenhaus Buochs, Obere Aastrasse 7, Buochs.
95 Jahre und kein bisschen verstaubt: Warum die Tracht in Nidwalden weiterlebt
Nach dem Festprogramm lohnt sich der Blick hinter die Kulissen. Denn 95 Jahre Vereinsgeschichte sind alles andere als selbstverständlich.
Als die Trachtengruppe Buochs 1931 gegründet wurde, zählte sie lediglich 14 Mitglieder. Heute gibt die Gruppe 136 Mitglieder an und bezeichnet sich als eine der grössten Tanzgruppen der Schweiz.
Wie schafft es eine Tradition aus einer völlig anderen Zeit, auch im Jahr 2026 noch Menschen zusammenzubringen?
Tracht ist viel mehr als ein schönes Kleid
Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis. Wer bei Tracht nur an historische Kleider denkt, sieht nur einen kleinen Teil.
In Nidwalden gehören Trachtentanz, Musik, Jodel, Naturjuiz, Alphorn und Fahnenschwingen zur gelebten Tradition. Auch alte rhythmische Formen wie «tätschlen», «löffelen», «chlefelen» und «bäselen» werden gepflegt.
Es geht also nicht darum, Vergangenheit in einer Vitrine aufzubewahren.
Die Tradition wird getanzt, gespielt, gesungen und gemeinsam erlebt.
Der Nachwuchs ist entscheidend
Besonders wichtig sind die Kinder. Bereits 1933, nur zwei Jahre nach der Vereinsgründung, entstanden in Buochs Kindertrachten. Bis heute werden Kinder an Tänze und Brauchtum herangeführt.
Damit passiert etwas Entscheidendes: Tradition wird nicht erst erklärt, wenn jemand erwachsen ist. Sie wird schon früh erlebt.
Wer als Kind mittanzt, verbindet damit später nicht bloss Schritte und Musik, sondern Menschen, Feste und Erinnerungen.
Eine Tradition, die im Dorf sichtbar geblieben ist
Buochs ist dabei kein Einzelfall. Bereits 1927 entstand in Stans eine Trachtenvereinigung für Frauen und Töchter. 1940 wurde die Kantonale Trachtenvereinigung Nidwalden gegründet. Heute gehören ihr die Gruppen Beckenried, Buochs, Ennetbürgen und Stans an.
Die Tracht verschwindet dabei nicht nach einem Auftritt wieder im Schrank. Sie gehört weiterhin zu kirchlichen und gesellschaftlichen Anlässen und ist auch eng mit den Nidwaldner Älplerchilbis verbunden.
Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb sie in Nidwalden bis heute Bestand hat: Sie ist Teil des Dorflebens geblieben.
Was ein Smartphone nicht ersetzen kann
Natürlich hat sich Nidwalden in diesen 95 Jahren enorm verändert. Freizeitangebote sind beinahe grenzenlos geworden, Vereine konkurrieren um Mitglieder und insbesondere jüngere Menschen verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit digital.
Und trotzdem wird getanzt, gejodelt, musiziert und Tracht getragen.
Vielleicht bieten solche Vereine gerade heute etwas, das moderner ist, als es auf den ersten Blick erscheint: echte Gemeinschaft.
Menschen unterschiedlichen Alters treffen sich, üben gemeinsam, organisieren Veranstaltungen und übernehmen Verantwortung. Man kennt sich nicht nur über einen Gruppenchat – man steht gemeinsam auf der Tanzfläche.
1931 begann alles – 2026 wird weitergetanzt
Das Jubiläumsfest in Buochs ist deshalb mehr als nur ein dreitägiger Anlass.
Es zeigt, dass Tradition nicht automatisch altmodisch sein muss. Sie funktioniert dann, wenn eine neue Generation bereit ist, sie weiterzuführen – und gleichzeitig genügend Platz vorhanden ist, sie weiterzuentwickeln.
Vor 95 Jahren begannen in Buochs 14 Menschen mit einer Trachtengruppe.
Dieses Wochenende wird wieder getanzt, musiziert, gegessen und gefeiert.
Und nach 95 Jahren sieht es keineswegs danach aus, als wäre der letzte Tanz getanzt.



