Der Mann hinter der Teak-Pleite: Wer führte Life Forestry in Stans?

Carl-Lambert Liesenberg leitete das Unternehmen über Jahre, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Alte Firmenmitteilungen zeigen, wie Life Forestry Vertrauen aufbaute – und liefern eine Mitarbeiterzahl, die genau eingeordnet werden muss.
Der Mann hinter der Teak-Pleite: Wer führte Life Forestry in Stans?
Carl-Lambert Liesenberg leitete das Unternehmen über Jahre. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Alte Firmenmitteilungen zeigen, wie Life Forestry Vertrauen aufbaute – und liefern eine Mitarbeiterzahl, die genau eingeordnet werden muss.
Ein Firmensitz in Stans, Plantagen in Lateinamerika und Tausende Kunden in Europa: Hinter Life Forestry Switzerland stand ein internationales Geschäft. Im Zentrum der Führung: Carl-Lambert Liesenberg.
Übernahme und Vorwürfe
Laut der Recherche von CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau übernahm er die Gesellschaft 2017 als Eigentümer. Heute muss er sich schweren Vorwürfen stellen.
Seit 2009 an der Spitze
Liesenbergs Einstieg ist durch eine damalige Unternehmensmitteilung dokumentiert. Am 9. Juli 2009 gab Life Forestry bekannt, dass Lambert Liesenberg neuer Geschäftsführer werde. Er folgte auf Peter Latzel.
Damit stand Liesenberg lange vor der Pleite an der operativen Spitze. Seine Ernennung war Teil der öffentlichen Unternehmenskommunikation.
Der auf Handelsregistermeldungen beruhende Firmeneintrag bei Moneyhouse führt ihn heute als Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigten der Gesellschaft in Liquidation. Die Firma wurde am 1. Mai 2006 eingetragen, mit einem Aktienkapital von 100'000 Franken. Als Adresse ist die Mühlebachstrasse 3 in Stans verzeichnet.
Die vollständigen aktuellen Besitzverhältnisse weist die frei zugängliche Übersicht nicht aus. Geschäftsführung, Verwaltungsratsmandat und Aktienbesitz dürfen deshalb nicht einfach gleichgesetzt werden.
Wie viele Menschen arbeiteten dort?
Eine konkrete Zahl findet sich in einer Unternehmensmitteilung aus dem Jahr 2008: Damals gab Life Forestry 26 Mitarbeitende für die gesamte Gruppe an.
Zur beschriebenen Gruppe gehörten die Life Forestry Switzerland AG und ihr Vertragspartner Life Forestry Costa Rica SA. Die Zahl bezeichnet somit ausdrücklich nicht 26 Arbeitsplätze in Stans. Und sie ist inzwischen mehr als 18 Jahre alt.
Wie viele Menschen unmittelbar vor der Insolvenz bei der Schweizer Gesellschaft angestellt waren, ist mit den bislang ausgewerteten Quellen nicht verlässlich feststellbar. Ebenso offen bleibt, wie viele Beschäftigte in der Schweiz ihren Arbeitsplatz verloren.
Wer hier eine aktuelle Belegschaftszahl nennt, braucht zusätzliche Nachweise. Eine historische Gruppenangabe reicht dafür nicht.
Das grosse Versprechen der Absicherung
Bemerkenswert ist dieselbe Mitteilung aus dem Jahr 2008 auch aus einem anderen Grund: Life Forestry warb damals mit einer Stiftung in Liechtenstein. Ein Teil der Kundenzahlungen sollte dorthin fliessen und die Bewirtschaftung der Plantagen dauerhaft sicherstellen.
Die Botschaft an die Kunden war deutlich: Hinter dem langfristigen Geschäft sollte eine zusätzliche Absicherung stehen.
In ihrer Mitteilung vom September 2026 erklärt die Firma hingegen, die Stiftung sei heute ohne Vermögen. Sie begründet dies damit, dass die älteren Bäume weniger Pflege benötigten und künftige Verkaufsprovisionen die notwendigen Arbeiten finanzieren könnten. Das ist die Erklärung des Unternehmens, keine unabhängig bestätigte Absicherung für die Kunden.
Strafverfahren und fünf Hausdurchsuchungen
Inzwischen beschäftigt der Fall die Strafverfolgung. Laut CORRECTIV bestätigte die zuständige Nidwaldner Staatsanwältin Strafverfahren gegen Liesenberg und eine weitere Person. Es gehe um den Verdacht auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte. Die Behörde habe zudem fünf Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Die Recherche berichtet auch über Darlehen von insgesamt 25 Millionen Franken im Jahresabschluss 2023 – darunter 3,6 Millionen an Liesenberg persönlich.
Das sind schwerwiegende Sachverhalte. Sie ersetzen keine strafrechtliche Verurteilung. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Verantwortlichen schulden konkrete Antworten
Life Forestry behauptet in ihrer öffentlichen Stellungnahme, die Kunden blieben Baumeigentümer und durch die Insolvenz sei niemand zu Schaden gekommen.
Für die Öffentlichkeit bleiben dennoch zentrale Fragen offen: Wie gross war der Betrieb in Stans zuletzt? Welche Mittel standen für die langfristigen Verpflichtungen bereit? Wurden die Darlehen zurückbezahlt? Und welche Beträge erreichen die Kunden tatsächlich?
Wer über Jahre Vertrauen für ein langfristiges Investment einwarb, muss sich heute an nachvollziehbaren Zahlen und belegbaren Ergebnissen messen lassen.
Weitere Berichte zum Thema: Vom Marketingberater zum Teak-Unternehmer: Wer ist Carl-Lambert Liesenberg?
Stand: 15. Oktober 2026. Quellen: öffentliche Unternehmensmitteilungen, auf SHAB-Meldungen beruhende Firmendaten und die gemeinsame Recherche von CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau. Keine eigenen Interviews oder Einsicht in die Strafakten. Die aktuelle Mitarbeiterzahl ist nicht bestätigt.



