Brigitt Flüeler: Die Frau, die Nidwaldens Geschichten lebendig hält

Menschen aus Unterwalden: In unserer neuen Serie porträtiert Unterwalden24 Menschen, die unsere Region mit Herzblut, Ideen und persönlichem Einsatz prägen. Bekannte Persönlichkeiten ebenso wie stille Macherinnen und Macher, die Verantwortung übernehmen und Unterwalden bewegen. Heute: Brigitt Flüeler aus Stans spürt Geschichten aus der Vergangenheit auf und bringt sie einem breiten Publikum näher. Unterwalden24 porträtiert sie in der Serie "Menschen aus Unterwalden".
In dieser Serie porträtiert Unterwalden24 Menschen, die unsere Region mit Herzblut, Ideen und persönlichem Einsatz prägen. Bekannte Persönlichkeiten ebenso wie stille Macherinnen und Macher, die Verantwortung übernehmen und Unterwalden bewegen.
Geschichten, die lebendig bleiben
Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen, Dokumenten und alten Fotografien. Geschichte lebt von Menschen, ihren Erinnerungen und den Fragen, die wir an die Vergangenheit stellen.
Brigitt Flüeler aus Stans versteht es wie kaum eine andere, solche Geschichten aufzuspüren und einem breiten Publikum näherzubringen.
Für ihr jahrzehntelanges Wirken als Journalistin, Historikerin und Kulturvermittlerin erhielt sie 2025 den Innerschweizer Kulturpreis. Die Auszeichnung würdigte eine Frau, die Nidwaldens Geschichte nicht nur erforscht, sondern sie hörbar, verständlich und lebendig gemacht hat.
Schon früh von Geschichte fasziniert
Brigitt Flüeler wurde 1954 in Stans geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin studierte sie in Zürich Geschichte, Europäische Volksliteratur und Europäische Ethnologie.
Ihre Begeisterung für Geschichte begann jedoch schon früher. Bereits in der Schulzeit wurde Geschichte zu ihrem Lieblingsfach. Es war der Anfang einer lebenslangen Beschäftigung mit der Frage, wie Menschen früher lebten, was sie prägte und welche Spuren sie hinterliessen.
Dabei interessierte sie sich nie nur für die grossen Ereignisse. Ihr Blick galt ebenso dem Alltag, den persönlichen Erinnerungen und jenen Stimmen, die in der offiziellen Geschichtsschreibung leicht überhört werden.
Während 27 Jahren beim Radio
Ab 1988 arbeitete Brigitt Flüeler während 27 Jahren beim Schweizer Radio. Sie war als Redaktorin, Moderatorin und Redaktionsleiterin tätig und wirkte bei bekannten Sendungen wie «Memo», «Doppelpunkt» und «Menschen und Horizonte» mit.
Über viele Jahre trug sie zudem Verantwortung für die Gesprächssendung «Persönlich». Dort standen Menschen und ihre Lebenswege im Mittelpunkt. Zuhören, nachfragen und Zusammenhänge sichtbar machen: Fähigkeiten, die auch ihre spätere Arbeit als Historikerin und Kulturvermittlerin prägten.
Das Radio bot ihr die Möglichkeit, Geschichten nicht nur zu sammeln, sondern sie so zu erzählen, dass sie viele Menschen erreichten. Aus historischen Themen wurden lebendige Begegnungen, aus persönlichen Erinnerungen ein Teil des kollektiven Gedächtnisses.
Geschichte darf nicht verstummen
Auch neben ihrer Radioarbeit setzte sich Brigitt Flüeler intensiv mit der Geschichte Nidwaldens auseinander. 1997 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Vereins «Frauen in Nidwalden und Engelberg – Geschichte und Geschichten», aus dem der heutige Verein Frauenspuren hervorging.
Das Anliegen war ebenso einfach wie wichtig: Frauen sollten in der regionalen Geschichte sichtbarer werden. Denn ihre Erfahrungen, Leistungen und Lebenswege waren in vielen historischen Darstellungen lange kaum vorhanden.
Brigitt Flüeler half mit, diese Lücken zu schliessen. Damit zeigte sie, dass Geschichtsarbeit mehr sein kann als ein Blick zurück. Sie kann auch korrigieren, ergänzen und Menschen einen Platz in der Erinnerung geben, der ihnen lange verwehrt geblieben ist.
Vom Spukhaus bis zum Samichlais
Die Themen, mit denen sich Brigitt Flüeler beschäftigt, sind so vielfältig wie Nidwalden selbst. Sie setzte sich unter anderem mit dem berühmten «Spukhaus von Stans» auseinander und wirkte an einer Neuedition der Schrift von Melchior Joller mit.
Ebenso erforschte sie die Geschichte des Stanser Samichlais-Brauchtums. Hinzu kamen Ausstellungen, Publikationen, Gespräche und szenische Lesungen. Gemeinsam mit Buschi Luginbühl arbeitete sie zudem die 200-jährige Geschichte der Theatergesellschaft Stans für deren Jubiläumsrevue auf.
Ihre Arbeit zeigt, wie breit regionale Geschichte sein kann. Sie findet sich in Bräuchen und Gebäuden, in Theater und Literatur, in alten Berichten und persönlichen Erinnerungen. Man muss nur genau hinsehen und die richtigen Fragen stellen.
Neun Jahre an der Spitze des Historischen Vereins
Neun Jahre lang präsidierte Brigitt Flüeler den Historischen Verein Nidwalden. Unter ihrer Mitwirkung entstanden Publikationen und Veranstaltungen, die sich nicht nur angenehmen Kapiteln der Vergangenheit widmeten.
Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen in Nidwalden. Solche Themen verlangen Genauigkeit, Respekt und die Bereitschaft, auch dort hinzuschauen, wo Geschichte schmerzt.
2025 gab Brigitt Flüeler das Präsidium weiter. Ihr Engagement für die Vermittlung der Nidwaldner Kultur und Geschichte endete damit jedoch nicht.
Eine verdiente Auszeichnung
Mit dem Innerschweizer Kulturpreis 2025 erhielt Brigitt Flüeler eine der bedeutendsten kulturellen Auszeichnungen der Zentralschweiz. Der mit 25'000 Franken dotierte Preis wurde ihr für ihre Verdienste um die Vermittlung der Innerschweizer und insbesondere der Nidwaldner Geschichte und Kultur zugesprochen.
Die Preisverleihung fand im September 2025 in Stans statt. Damit kehrte die öffentliche Würdigung an jenen Ort zurück, an dem ihre eigene Geschichte begonnen hatte und dem ein grosser Teil ihrer Arbeit gewidmet ist.
Eine Macherin, die anderen eine Stimme gibt
Brigitt Flüeler bewegt die Region nicht mit lauten Auftritten. Ihre Stärke liegt im genauen Zuhören, im sorgfältigen Recherchieren und im verständlichen Erzählen.
Sie bewahrt Vergangenes, ohne es in einem Museum einzuschliessen. Sie bringt Geschichte zu den Menschen und zeigt, weshalb sie auch für die Gegenwart wichtig ist. Dabei richtet sie den Blick immer wieder auf Menschen, deren Erfahrungen sonst möglicherweise vergessen würden.
Damit ist Brigitt Flüeler eine Unterwaldner Macherin im besten Sinn: eine Frau, die ihre Heimat kennt, sie kritisch betrachtet und dafür sorgt, dass ihre vielen Geschichten weitererzählt werden.
Kennen Sie einen Menschen, der Unterwalden bewegt?
Wer engagiert sich in Ihrem Verein, Ihrem Dorf oder Ihrer Nachbarschaft mit besonderem Herzblut? Melden Sie uns Menschen aus Obwalden und Nidwalden, deren Geschichte erzählt werden sollte: mit Name, Wohnort und einer kurzen Begründung an die Redaktion von Unterwalden24.
Quellen: Kanton Nidwalden, Innerschweizer Kulturstiftung, Historischer Verein Nidwalden, Gemeinde Stans und Theatergesellschaft Stans.



