Buochser Dorfzentrum wird mehrere Millionen teurer. Weshalb?

Buochser Dorfzentrum wird Millionen teurer: Warum reicht das Geld plötzlich nicht mehr? Der Umbau der Ortsdurchfahrt in Buochs kostet deutlich mehr als geplant: Der Regierungsrat verlangt zusätzlich 1,645 Millionen Franken, da im ursprünglichen Kredit keine Reserve für Unvorhergesehenes vorgesehen war.
Mitten in Buochs wird seit über einem Jahr gebaut. Die Ortsdurchfahrt soll sicherer, moderner und attraktiver werden. Doch jetzt folgt die unangenehme Nachricht: Der ursprünglich bewilligte Kredit reicht nicht. Der Regierungsrat verlangt weitere 1,645 Millionen Franken. Besonders brisant: Im ursprünglichen Kredit war keine Reserve für Unvorhergesehenes enthalten.
Von 7,6 auf über 9 Millionen Franken
Für die Sanierung und Umgestaltung der Beckenrieder-, Stanser- und Ennetbürgerstrasse wurden ursprünglich 7,605 Millionen Franken bewilligt. Davon sollten rund 56 Prozent der Kanton und 44 Prozent die Gemeinde tragen.
Nun beantragt der Regierungsrat beim Landrat einen Zusatzkredit von 1,645 Millionen Franken. Damit steigt der finanzielle Rahmen rechnerisch auf rund 9,25 Millionen Franken – gut 21 Prozent mehr als ursprünglich vorgesehen.
Und genau hier stellt sich eine berechtigte Frage: Wie konnte ein Millionenprojekt mitten im dicht bebauten Dorfzentrum ohne ausreichenden finanziellen Puffer geplant werden?
Unter der Strasse kam die Überraschung
Ein Teil der Mehrkosten lässt sich nachvollziehen. Erst während der Bauarbeiten zeigte sich laut Staatskanzlei, dass der Zustand der Strasse teilweise schlechter ist als erwartet.
Auf gewissen Abschnitten muss die Fundation umfassend ersetzt werden. Auch Betonplatten beim Dorfbach erfüllen die statischen Anforderungen nicht mehr und müssen erneuert werden. Die vorgängigen Untersuchungen hätten kein ausreichendes Gesamtbild des tatsächlichen Strassenzustands ergeben.
Das sind Arbeiten, die kaum einfach weggelassen werden können. Doch nicht nur der Untergrund wird teurer.
Planung, Bauleitung und Landerwerb kosten mehr
Auch die Aufwendungen für Bauleitung, Planung, Landerwerb und notwendige Dienstbarkeiten fallen höher aus als ursprünglich angenommen.
Die Begründung: Im eng bebauten Dorfzentrum müssen zahlreiche Arbeiten und weitere Infrastrukturprojekte miteinander koordiniert werden. Das verursacht zusätzlichen Aufwand.
Hinzu kommt eine digitale Informationsplattform für Bevölkerung und Gewerbe, die im ursprünglichen Kredit nicht vorgesehen war. Gemeinde Buochs und Elektrizitätswerk Nidwalden übernehmen jeweils einen Drittel der Kosten dieser Plattform.
Keine Reserve – ausgerechnet bei einer solchen Baustelle
Der wohl erstaunlichste Punkt steht aber in der Begründung selbst: Im ursprünglichen Kredit waren keine Reserven für Unvorhergesehenes eingerechnet.
Dabei handelt es sich nicht um eine neue Strasse auf freiem Feld. Gebaut wird mitten in einem bestehenden Dorfzentrum – mit alten Strassenkörpern, Leitungen, Gebäuden, Dorfbach, Verkehr und zahlreichen Schnittstellen.
Dass bei solchen Arbeiten Überraschungen auftreten können, dürfte kaum überraschen. Die Frage, die der Landrat deshalb stellen muss, lautet nicht nur, ob die zusätzlichen Arbeiten notwendig sind. Sondern auch: War die ursprüngliche Kostenschätzung von 7,605 Millionen Franken realistisch genug?
Der Regierungsrat verteidigt das Vorgehen
Baudirektorin Therese Rotzer-Mathyer hält fest, dass sich bei einem Bauprojekt dieser Grössenordnung in einem dicht bebauten Dorfzentrum nicht alle Entwicklungen vorhersehen liessen. Wichtig sei nun, die Kostensituation transparent darzustellen und die weitere Finanzierung auf eine solide Grundlage zu stellen.
Positiv ist immerhin: Der Zeitplan soll trotz der Probleme bisher halten. Die Hauptarbeiten laufen seit Sommer 2025 und sind auf rund zweieinhalb Jahre ausgelegt.
Was passiert, wenn der Landrat Nein sagt?
Ganz folgenlos wäre eine Ablehnung nicht. Der Regierungsrat macht deutlich: Gibt der Landrat die zusätzlichen 1,645 Millionen Franken nicht frei, müsste das Projekt teilweise redimensioniert werden.
Damit steht das Parlament vor einer unangenehmen Situation. Ein erheblicher Teil der Arbeiten läuft bereits, rund 3,2 Millionen Franken sind nach Angaben des Kantons bislang aufgelaufen – und gleichzeitig wird nun deutlich mehr Geld benötigt als ursprünglich bewilligt.
Buochs soll schöner werden – aber die Kosten müssen erklärt werden
Die Ziele des Projekts sind kaum umstritten: mehr Verkehrssicherheit, neue Infrastruktur und ein attraktiveres Dorfzentrum. Bereits bei der ursprünglichen Beratung wurde insbesondere die Verbesserung der Sicherheit für Schulkinder und Fussgänger hervorgehoben.
Doch 1,645 Millionen Franken zusätzlich sind kein kleiner Nachtrag. Dass unter einer alten Strasse unerwartete Schäden auftauchen, kann passieren. Dass gleichzeitig Voruntersuchungen kein ausreichendes Gesamtbild lieferten, Kosten für Landerwerb zu tief angesetzt wurden und überhaupt keine Reserve für Unvorhergesehenes vorhanden war, verdient jedoch eine genaue politische Prüfung.
Der Landrat muss deshalb nicht nur entscheiden, ob Buochs weitere 1,645 Millionen Franken erhält. Er sollte auch klären, warum ein 7,6-Millionen-Projekt bereits während der Bauphase um mehr als einen Fünftel teurer wird.



