Firma aus Stans pleite: Tausende zittern um ihr Teak-Geld

Die Life Forestry Switzerland AG aus Stans wird liquidiert – rund 800 Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz und über 6000 in Europa bangen um ihr Geld. Eine gemeinsame Recherche von SRF Rundschau und CORRECTIV.Schweiz wirft Fragen zu Geldflüssen und Rückzahlungen auf. Rund 200 Millionen Franken investiert, bis zu zwölf Prozent Jahresrendite in Aussicht – jetzt ist Life Forestry Switzerland konkurs.
Wer heute die Website von Life Forestry aufruft, findet eine weitgehend weisse Seite. In der Mitte: das Firmenlogo und zwei Sätze, die das Ende verkünden.
«Der Betrieb der Life Forestry Switzerland AG wird eingestellt. Das Unternehmen wird liquidiert.»
Einen Auszahlungstermin oder eine Erklärung, wie die Kunden zu ihrem Geld kommen sollen, enthält die Hinweisseite nicht. Für Menschen, die auf Erlöse aus ihren Teakbäumen warten, bleiben die entscheidenden Fragen unbeantwortet.
Ein Renditetraum mit bitterem Erwachen
Das Unternehmen aus Stans verkaufte junge Teakbäume in Costa Rica und Ecuador. Es sollte deren Bewirtschaftung, Ernte und Vermarktung übernehmen. Den Kunden wurden Jahresrenditen von bis zu zwölf Prozent in Aussicht gestellt.
Laut der gemeinsamen Recherche von SRF Rundschau und CORRECTIV.Schweiz investierten rund 800 Menschen in der Schweiz und über 6000 in Europa insgesamt etwa 200 Millionen Franken. Die Firma ging 2025 konkurs. Viele Kunden warten auf Erlöse und fürchten um ihr Kapital.
Gerade einmal 805 Franken auf dem Konto
Besonders ernüchternd ist eine Zahl aus der CORRECTIV-Recherche: Bei der Konkurseröffnung befanden sich demnach lediglich 805 Franken auf dem Firmenkonto.
Für manche Betroffene steht viel mehr als eine missglückte Geldanlage auf dem Spiel. Eine 71-jährige Frau, deren Name in der Recherche geändert wurde, investierte rund 80'000 Franken – einen grossen Teil ihrer Altersvorsorge. Nach eigenen Angaben erhielt sie bisher weder ihr Kapital zurück noch Erlöse.
Die 805 Franken beziffern allerdings weder sämtliche Vermögenswerte noch den endgültigen Verlust der Kunden.
Schwere Feststellung eines Gerichts
Laut SRF befand das Landgericht Frankfurt an der Oder im Oktober 2025 in einem Zivilverfahren, das Geschäftsmodell sei von vornherein «auf Täuschung und Schädigung der Kunden angelegt» gewesen.
Eine schwerwiegende Feststellung – jedoch keine strafrechtliche Verurteilung wegen Betrugs.
Brisant sind auch die von SRF beschriebenen Darlehen: Im Jahresabschluss 2023 seien insgesamt 25 Millionen Franken bilanziert gewesen, davon 3,6 Millionen an Carl-Lambert Liesenberg persönlich. Welche wirtschaftlichen Zwecke erfüllten diese Darlehen, und wurden sie zurückbezahlt?
Die Angaben allein beweisen keine Veruntreuung. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Firma behauptet: Niemand zu Schaden gekommen
Life Forestry stellt die Lage anders dar. In einer Mitteilung vom 24. September erklärt Verwaltungsrat Liesenberg, die Kunden blieben Eigentümer ihrer Bäume. Ein ehemaliger Mitarbeiter übernehme Bewirtschaftung, Ernte und Verkauf. Mehr als 4000 Kunden hätten entsprechende Verträge abgeschlossen.
Die Firma behauptet ausserdem, durch die Insolvenz sei niemand zu Schaden gekommen. Das ist die Unternehmensdarstellung. Die Mitteilung enthält keine unabhängig überprüften Nachweise, dass sämtliche Kunden ihr Kapital oder die erwarteten Erlöse erhalten haben.
Bäume vorhanden – Rückzahlung offen
CORRECTIV besuchte sechs Plantagen und stellte fest, dass dort Teakbäume vorhanden sind. Doch stehende Bäume sind noch keine Auszahlung.
Die Liquidation der Schweizer Firma schliesst eine Bewirtschaftung durch einen anderen Anbieter nicht automatisch aus. Eine gesicherte Rückzahlung folgt daraus ebenfalls nicht.
Für die Betroffenen zählen jetzt konkrete Antworten: Wann fliesst Geld? Welche Erlöse bleiben nach Abzug der Kosten? Welche Kundenrechte lassen sich tatsächlich durchsetzen? Und was geschah mit den Millionen-Darlehen?
Auf der Firmenwebsite stehen dazu keine Antworten. Dort steht nur das Ende des Betriebs.
Weiterer Bericht dazu: Um die Altersvorsorge gebangt: Was bleibt den Teak-Anlegern jetzt?
Stand: 14. Oktober 2026. Quellenbasis: gemeinsame Recherche von SRF Rundschau und CORRECTIV.Schweiz, Firmenwebsite und öffentliche Unternehmensmitteilung. Keine eigenen Interviews oder Einsicht in Original-Gerichtsakten.



