Lebensmittel retten statt wegwerfen: Stans bekommt seinen ersten «Madame Frigo»

Am Freitag, 28. August 2026, wurde in Stans der erste öffentliche Kühlschrank von «Madame Frigo» eröffnet. Hinter dem Projekt stehen die bunte Spunte, Madame Frigo und die Gemeinde Stans. Der Kühlschrank befindet sich beim Steinmätteli in Stans und steht der Bevölkerung zur Verfügung.
Die Idee ist verblüffend einfach
Wer Lebensmittel zu Hause hat, die er selbst nicht mehr benötigt, kann geeignete Produkte in den öffentlichen Kühlschrank legen. Wer etwas davon brauchen kann, darf Lebensmittel herausnehmen.
Das Prinzip funktioniert damit ähnlich wie ein öffentlicher Bücherschrank – nur eben mit Lebensmitteln.
«Bring, was du nicht mehr brauchst oder schau vorbei, wenn dir noch was fehlt», beschreibt die bunte Spunte das Konzept des neuen Stanser Kühlschranks.
Dabei geht es nicht nur darum, Menschen kostenlos mit Lebensmitteln zu versorgen. Das eigentliche Ziel ist, Produkte zu verwenden, bevor sie unnötigerweise im Abfall landen.
Ein Problem, das viel grösser ist als ein Kühlschrank
Lebensmittelverschwendung ist auch in der Schweiz ein grosses Thema. Nach Angaben von Madame Frigo landet rund ein Drittel aller Lebensmittel im Abfall. Gerade Privathaushalte gehören dabei zu den bedeutenden Verursachern von Food Waste.
Genau hier setzt die Organisation an.
Mittlerweile gibt es schweizweit mehr als 190 öffentliche Kühlschränke. Rund 700 Freiwillige kümmern sich um die Standorte. Nach Angaben von Madame Frigo werden dadurch pro Jahr rund 900 Tonnen Lebensmittel vor der vorzeitigen Entsorgung bewahrt.
Der Kühlschrank in Stans ist damit Teil eines inzwischen schweizweiten Netzwerks.
Auch in Obwalden ist die Idee übrigens bereits angekommen: Madame Frigo führt Standorte am Dorfplatz in Sarnen sowie bei der Pfarrkirche beziehungsweise im Kreuzpark in Sachseln auf.
Was darf in den Kühlschrank?
Ganz ohne Regeln funktioniert ein öffentlich zugänglicher Kühlschrank natürlich nicht.
Geeignet sind beispielsweise Obst und Gemüse sowie verschlossene Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum höchstens erreicht haben. Brot wird separat aufbewahrt.
Nicht hineingehören dagegen Fleisch, Fisch, Alkohol, bereits geöffnete Lebensmittel oder selbst gekochte beziehungsweise verarbeitete Speisen. Produkte, deren Verbrauchsdatum überschritten ist, sind ebenfalls nicht erlaubt.
Damit der Kühlschrank hygienisch bleibt, wird jeder Standort von Freiwilligen betreut. Sie reinigen den Frigo und kontrollieren regelmässig seinen Inhalt. Gleichzeitig sind auch die Nutzerinnen und Nutzer aufgefordert, den Standort sauber zu hinterlassen.
Aus einem Kühlschrank kann ein Treffpunkt werden
Interessant an «Madame Frigo» ist noch etwas anderes: An verschiedenen Standorten sind die Kühlschränke längst mehr als reine Lebensmittelverteiler.
Sie können zu kleinen Treffpunkten im Quartier oder Dorf werden. Menschen bringen Lebensmittel, andere holen etwas ab, man kommt miteinander ins Gespräch. Madame Frigo berichtet aus bestehenden Standorten immer wieder von solchen Begegnungen.
Damit verbindet das Projekt zwei Dinge, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Nachhaltigkeit und Nachbarschaft.
Gerade für einen Ort wie Stans könnte das interessant werden. Denn der Erfolg des Projekts hängt letztlich nicht von einer komplizierten technischen Lösung ab, sondern davon, ob die Bevölkerung den Kühlschrank tatsächlich nutzt.
Stans sucht noch freiwillige Helferinnen und Helfer
Der neue Kühlschrank braucht deshalb Menschen, die sich um ihn kümmern. Für den Stanser Standort werden derzeit noch weitere Freiwillige gesucht. Interessierte können sich bei der bunten Spunte melden.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke der Idee: Man muss keinem Verein beitreten und kein grosses Umweltprojekt starten. Man kann beim nächsten Blick in den eigenen Kühlschrank beginnen.
Denn manchmal braucht es gegen Lebensmittelverschwendung tatsächlich nicht viel mehr als die Frage:
Esse ich das noch – oder könnte es jemand anderes brauchen?



