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Asylwesen in Obwalden: Zwei grosse Unterkünfte, hoher Betreuungsaufwand – und immer wieder Sicherheitsfragen

Bild: KI-generiert
Urs WederVon Urs Weder · 19. August 2026

Das Asylwesen ist auch in Obwalden längst kein Randthema mehr. Der kleine Kanton beherbergt sowohl Personen, die ihm direkt zugewiesen wurden, als auch ein grosses Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg. Dazu kommen Schutzsuchende aus der Ukraine. Die Unterbringung funktioniert grundsätzlich, doch Betreuung, Wohnraumsuche und Sicherheit beschäftigen Behörden und Bevölkerung immer wieder.

Krone Giswil: Bis zu 163 Personen

Die wichtigste kantonale Kollektivunterkunft befindet sich in Giswil. Das ehemalige Hotel Krone wurde im April 2022 als Unterkunft eröffnet. Zusammen mit den Nebengebäuden Mondschein und Blumenhaus können dort inzwischen bis zu 163 Personen untergebracht werden. Aktuell leben dort rund 100 Schutzsuchende aus der Ukraine. Seit Juli 2026 können sich die Bewohnerinnen und Bewohner in neu eingerichteten Gemeinschaftsküchen weitgehend selbst versorgen.

Betreut wird die Unterkunft von einem siebenköpfigen Team. Zusätzlich gibt es Nachtwachen, Dolmetscherinnen, medizinische Sprechstunden und eine Kinderbetreuung. Gerade Familien und Einzelpersonen bleiben teilweise längere Zeit in Giswil, bevor sie eine eigene Wohnung finden.

Bundesasylzentrum Glaubenberg: Platz für 340 Personen

Deutlich grösser ist das Bundesasylzentrum Glaubenberg oberhalb von Stalden. Dieses wird nicht vom Kanton, sondern vom Staatssekretariat für Migration betrieben. Die reguläre Kapazität beträgt 340 Plätze. Die Vereinbarung für den Betrieb läuft inzwischen bis zum 30. Juni 2028.

Zwischen Dezember 2025 und Ende März 2026 stellte die Armee vorübergehend zusätzliche Gebäude für theoretisch nochmals bis zu 300 Asylsuchende zur Verfügung. Laut Kanton wurden solche Zusatzkapazitäten in den vergangenen Jahren allerdings jeweils nur geringfügig benötigt.

Für die Sicherheit innerhalb des Bundesasylzentrums und in dessen unmittelbarer Umgebung ist grundsätzlich der Bund zuständig. Zusätzlich ist die Kantonspolizei Obwalden für die öffentliche Sicherheit im Umfeld im Einsatz. Dafür erhält der Kanton vom Bund eine Entschädigung.

Weitere Asylsuchende leben verteilt im Kanton

Nicht alle Personen aus dem Asylbereich wohnen in grossen Unterkünften. Der Kanton bringt einen Teil dezentral in Wohnungen unter. In den letzten detailliert publizierten Bestandeszahlen lebten Ende 2023 153 Personen aus dem ordentlichen Asyl- und Flüchtlingsbereich in Obwalden: 61 davon in Unterkünften der Sozialen Dienste Asyl und 92 in selbst gemieteten Unterkünften. Zusätzlich waren damals 231 Personen mit Schutzstatus S registriert.

Eine aktuelle öffentlich zugängliche vollständige Liste sämtlicher kleiner Wohnungen oder Häuser veröffentlicht der Kanton nicht. Die beiden klar ausgewiesenen grossen Standorte sind deshalb die Kollektivunterkunft Krone in Giswil und das Bundesasylzentrum Glaubenberg.

Gibt es Probleme?

Ja – allerdings wäre es falsch, daraus zu schliessen, dass der Asylbetrieb generell ausser Kontrolle geraten wäre. Zu den grössten Herausforderungen gehören die Suche nach geeignetem Wohnraum, Betreuung, Sprachförderung und Arbeitsintegration. Der Kanton weist selbst darauf hin, dass Wohnraum sowohl für Geflüchtete als auch für Einheimische zunehmend schwierig zu finden ist.

Auf der anderen Seite gibt es durchaus konkrete Sicherheitsvorfälle, insbesondere rund um das Bundesasylzentrum Glaubenberg.

Massenschlägerei im Bundesasylzentrum

Ein besonders schwerer Vorfall ereignete sich im Januar 2026. Nach Angaben der Kantonspolizei gingen im Bundesasylzentrum Glaubenberg spätabends rund 40 bis 60 Asylsuchende aufeinander los. Die Kantonspolizei rückte mit einem Grossaufgebot an und trennte die rivalisierenden Gruppen. Drei Personen wurden leicht verletzt, zwei mussten mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. Zusätzlich wurde ein Feueralarm ausgelöst, nachdem ein Handtaster zerstört worden war.

Dieser Fall zeigt, dass Sicherheitsprobleme tatsächlich vorkommen. Gleichzeitig ist er ein einzelner dokumentierter Grossvorfall und kein Beleg dafür, dass von allen oder von einem grossen Teil der Asylsuchenden eine Gefahr ausgeht.

Straftaten durch Asylsuchende: Was lässt sich wirklich belegen?

Auch in früheren Jahren beschäftigten straffällige Bewohner des Glaubenbergs die Politik. Aus einem Kantonsratsprotokoll von 2021 geht hervor, dass die Behörden bei bekannt gewordener Straffälligkeit von Asylsuchenden jeweils rasch Kontakt mit dem Bundesasylzentrum aufnehmen und betroffene Personen teilweise in andere Zentren verlegen. Damals war unter anderem über Diebstähle und mögliche Rayonverbote diskutiert worden.

Wichtig ist jedoch eine klare Unterscheidung: Nicht jede Straftat eines ausländischen Staatsangehörigen ist automatisch eine Straftat eines Asylsuchenden. So wurden beispielsweise im Juli 2026 in Sarnen ein 33-jähriger Algerier und ein 33-jähriger Marokkaner nach einem mutmasslichen Einschleichdiebstahl festgenommen. Die öffentlich zugängliche Polizeimeldung nennt ihre Nationalität, aber keinen Asylstatus. Man darf sie deshalb journalistisch nicht einfach als Asylsuchende bezeichnen.

Obwalden profitiert gleichzeitig vom Bundesasylzentrum

Ein häufig übersehener Punkt: Weil Obwalden mit dem Glaubenberg ein Bundesasylzentrum beherbergt, erhält der Kanton eine sogenannte Standortkompensation. Dadurch werden Obwalden weniger Asylsuchende dauerhaft zugewiesen, als dies ohne das Bundeszentrum der Fall wäre.

Das ist für einen kleinen Kanton von erheblicher Bedeutung. Einerseits verursacht der Standort zusätzlichen Sicherheits- und Organisationsaufwand, andererseits entlastet er Obwalden bei der langfristigen Unterbringung.

Zwischen Integration und Sicherheitsdebatte

Das Bild in Obwalden ist damit widersprüchlich: Rund 100 ukrainische Schutzsuchende leben derzeit in der Krone Giswil und werden auf ein selbstständigeres Leben vorbereitet. Gleichzeitig kann das Bundesasylzentrum Glaubenberg mehrere hundert Personen aufnehmen und sorgte Anfang 2026 mit einer Massenschlägerei für negative Schlagzeilen.

Von einem generellen «Asylproblem» zu sprechen wäre aufgrund der verfügbaren Fakten zu pauschal. Probleme gibt es aber sehr wohl: knapper Wohnraum, hoher Betreuungsaufwand und einzelne erhebliche Sicherheitsvorfälle. Gleichzeitig funktionieren Unterbringung und Betreuung im Alltag offenbar weitgehend, und mit dem Glaubenberg trägt Obwalden seit Jahren einen bedeutenden Teil der schweizerischen Asylinfrastruktur mit.

Urs Weder
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Urs Weder

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