Vom Marketingberater zum Teak-Unternehmer: Wer ist Carl-Lambert Liesenberg?

Carl-Lambert Liesenberg beriet Unternehmen, schrieb über Holzinvestments und führte die Stanser Life Forestry Switzerland AG. Heute ist die Firma konkurs, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Vom Marketingberater zum Teak-Unternehmer: Wer ist Carl-Lambert Liesenberg?
Er beriet Unternehmen, schrieb über Holzinvestments und führte die Stanser Life Forestry Switzerland AG. Heute ist die Firma konkurs, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der öffentliche Lebenslauf eines Mannes, dem Tausende ihr Vertrauen schenkten.
Antritt als Marketingprofi
Als Carl-Lambert Liesenberg im Juli 2009 die Geschäftsführung von Life Forestry Switzerland übernahm, trat er mit grossen Plänen an. Die damalige Unternehmensmitteilung stellte ihn als Marketingprofi vor. Er sollte die Expansion vorantreiben und eine breitere Öffentlichkeit für das Geschäft mit tropischen Bäumen gewinnen.
Liesenberg zeigte sich überzeugt, dass die Verbindung von Rendite und nachhaltiger Forstwirtschaft einen Nachfrageboom auslösen werde.
Heute wird die Gesellschaft aus Stans liquidiert. Auf ihrer Website stehen nur noch das Logo und der Hinweis auf die Betriebseinstellung.
Wer ist der Mann, der das Unternehmen über Jahre führte?
Seine Wurzeln liegen in der Pfalz
Das Autorenprofil der Münchner Verlagsgruppe nennt Liesenberg als gebürtigen Pfälzer, Jahrgang 1964. Die aktuelle Recherche von CORRECTIV.Schweiz bezeichnet ihn als 62-jährig. Einen genauen Geburtsort und sein vollständiges Geburtsdatum konnte Unterwalden24 anhand belastbarer Quellen bisher nicht bestätigen.
Laut Verlagsprofil studierte er Jura und Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ob und mit welchem Abschluss er die Studien beendete, geht daraus nicht hervor.
Erst Kommunikation und Marketing, dann tropische Bäume
Seine berufliche Vorgeschichte führt zunächst in die Beratung. Nach Angaben des Verlags gründete Liesenberg 1990 eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Kommunikation und Marketing. Er habe nationale und internationale Unternehmen unterstützt.
Welche Firmen zu seinen Kunden zählten, nennt das Profil nicht. Es beschreibt ihn als jemanden, der sich bereits während des Studiums für wirtschaftliche Trends und die Verbindung von Gewinnstreben und sozialer Verantwortung interessiert habe. Diese Angaben stammen aus seiner veröffentlichten Autorenbiografie; eine unabhängig geprüfte, vollständige Berufschronologie liegt damit nicht vor.
Die Ernennung zum Geschäftsführer von Life Forestry folgte im Juli 2009. Liesenberg löste Peter Latzel ab. Die Mitteilung hielt fest, dass er das Unternehmen bereits kannte.
Er erklärte anderen das Holzinvestment
Liesenberg trat auch als Fachautor auf. Die Münchner Verlagsgruppe führt sein Buch «Investieren in Holz – Chancen, Märkte, Hintergründe».
Damit beschäftigte er sich öffentlich mit dem Markt, auf dem sein Unternehmen Kunden gewann. Ein Buch ist kein unabhängiger Nachweis für die Sicherheit eines Anlageangebots. Es gehört aber zu seinem dokumentierten öffentlichen Auftritt als Kenner des Geschäfts.
Heute stehen schwere Vorwürfe im Raum
Laut der gemeinsamen Recherche von CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau übernahm Liesenberg Life Forestry 2017 als Eigentümer.
Inzwischen führt die Nidwaldner Staatsanwaltschaft laut CORRECTIV Strafverfahren gegen ihn und eine weitere Person. Die zuständige Staatsanwältin habe Ermittlungen wegen Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte sowie fünf Hausdurchsuchungen bestätigt.
Die Recherche nennt zudem Darlehen von insgesamt 25 Millionen Franken im Jahresabschluss 2023. Davon entfielen demnach 3,6 Millionen auf Liesenberg persönlich. Die Verwendung und Rückzahlung solcher Gelder sind zentrale Fragen der Aufarbeitung. Die Darlehensangaben allein beweisen keine Straftat.
Was Liesenberg entgegenhält
In einer öffentlichen Unternehmensmitteilung vom September erklärt Liesenberg, die Kunden blieben Eigentümer ihrer Bäume. Bewirtschaftung, Ernte und Verkauf sollten über einen ehemaligen Mitarbeiter weitergeführt werden. Die Firma behauptet, durch ihre Insolvenz sei niemand zu Schaden gekommen. Das ist ihre Darstellung, keine unabhängig bestätigte Bilanz der Kundenverluste.
Ein belastbarer öffentlicher Nachweis einer rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung Liesenbergs wurde bei dieser Recherche nicht gefunden. Daraus lässt sich keine bestätigte Aussage über seinen Strafregisterstatus ableiten. Laufende Ermittlungen und Zivilurteile dürfen nicht mit einer strafrechtlichen Verurteilung gleichgesetzt werden. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Liesenbergs öffentliche Laufbahn lässt sich in wesentlichen Stationen nachzeichnen. Offen bleibt die für die Kunden entscheidende Frage: Wie wurde aus einem über Jahre beworbenen Geschäft eine Firmenpleite – und wer trägt dafür welche Verantwortung?
Weitere Berichte zum Thema: Der Mann hinter der Teak-Pleite: Wer führte Life Forestry in Stans?
Stand: 15. Oktober 2026. Grundlage sind das Verlagsprofil, öffentliche Unternehmensmitteilungen, die Firmenwebsite und die gemeinsame Recherche von CORRECTIV.Schweiz und SRF Rundschau. Kein eigenes Interview mit Liesenberg, keine Einsicht in Strafakten oder Strafregister.



