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Wenn die Kühe von den Alpen zurückkehren: So feiert Obwalden den Herbst

OBWALDEN – Wenn im Herbst schwere Glocken durch die Dörfer klingen, Jodlergesang zu hören ist und die Älpler nach einem langen Sommer von den Bergen zurückkehren, lebt in Obwalden eine jahrhundertealte Tradition auf. Von Melchtal über Kerns und Giswil bis Sachseln und Alpnach beginnen im Oktober und November die Älplerchilbis. Doch wer dabei nur an ein Volksfest denkt, unterschätzt die Bedeutung dieses Brauchs gewaltig.

Urs WederVon Urs Weder · 8. September 2026

Der Alpsommer geht langsam zu Ende. Auf den höher gelegenen Weiden werden die Nächte kalt, die Tage kürzer und vielerorts kehren Tiere und Älpler ins Tal zurück. Nach rund vier Monaten Alpzeit führt die Alpabfahrt die Herden wieder hinunter in die Dörfer.

Und dann wird gefeiert. Nicht überall am gleichen Tag und nicht überall auf die gleiche Art. Gerade das macht die Obwaldner Älplerchilbis so besonders. Die einzelnen Orte haben ihre eigenen Traditionen, Abläufe und Sprüche.

Wenn aus einem Alpsommer ein Dorffest wird

Die Älplerchilbi ist in Obwalden weit mehr als Unterhaltung. Sie ist ein jahrhundertealtes Älplerfest und steht traditionell am Ende eines arbeitsreichen Alpsommers. Die Bauern kommen zusammen, um für die empfangenen Gaben zu danken und anschliessend bei Essen, Musik und Tanz zu feiern.

Das Leben auf einer Alp ist auch heute kein Ferienaufenthalt. Tiere müssen versorgt, Weiden gepflegt und Zäune kontrolliert werden. Wetterumschwünge gehören ebenso zum Alltag wie lange Arbeitstage. Wenn Menschen und Tiere im Herbst gesund ins Tal zurückkehren, gibt es deshalb einen guten Grund zum Feiern.

Und dann wird abgerechnet – mit Humor

Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Wilden und die Älplersprüche. Die Figuren heissen vielerorts Hude und Läsi, in Lungern Christä und Triini. Am Nachmittag tragen sie gereimte Sprüche vor und erzählen darin auf humorvolle Weise von den «Sünden und Dummheiten» der Dorfbewohner. Die Sprüche werden öffentlich vorgetragen.

Damit sind sie weit mehr als ein Programmpunkt. Sie funktionieren ein wenig wie eine mündliche Dorfchronik: Was während des Jahres für Gesprächsstoff gesorgt hat, kann an der Älplerchilbi nochmals auftauchen – mit Humor und vor versammeltem Dorf.

Im Melchtal beginnt die Saison Mitte Oktober

Einer der ersten grossen Termine findet im Melchtal am Samstag, 17. Oktober 2026 statt. Die Jodlermesse beginnt um 9.15 Uhr, die Älplersprüche werden um 14.15 Uhr und nochmals um 23 Uhr vorgetragen.

Gerade das Melchtal passt wie kaum ein anderer Ort zu dieser Tradition. Landwirtschaft, Alpen und Bergwelt prägen die Landschaft bis heute. Wenn hier im Oktober gefeiert wird, ist die Verbindung zwischen Dorf und Alp unmittelbar spürbar.

Sarnen macht es 2026 anders

Eine Besonderheit gibt es dieses Jahr im Kantonshauptort. Am 18. Oktober 2026 findet in Sarnen keine klassische Älplerchilbi statt. Stattdessen wird ein Älplertag durchgeführt. Die öffentlichen Sprüche sind um 14.15 Uhr auf dem Dorfplatz vorgesehen.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass Brauchtum nicht völlig starr sein muss. Formen können sich verändern, während der Kern der Tradition erhalten bleibt.

In Kerns gehören die Älplersprüche mitten ins Dorf

Am Freitag, 23. Oktober 2026 ist Kerns an der Reihe. Die öffentlichen Älplersprüche beginnen um 14 Uhr auf dem Schulhausareal.

Für Zuschauer ist gerade dieser Teil besonders interessant. Man muss selbst kein Älpler sein und auch keiner alteingesessenen Familie angehören. Die Sprüche werden öffentlich vorgetragen und machen das Dorfgeschehen des vergangenen Jahres auf ihre ganz eigene Weise nochmals lebendig.

Am 24. Oktober feiern Giswil und Kägiswil

Nur einen Tag später geht es gleich an mehreren Orten weiter. Am Samstag, 24. Oktober 2026, findet die Älplerchilbi in Giswil statt. Um 14 Uhr werden beim Hotel Bahnhof die Sprüche vorgetragen.

Ebenfalls am 24. Oktober wird in Kägiswil gefeiert. Dort findet die Älplerchilbi nur alle zwei Jahre statt. Die öffentlichen Sprüche beginnen um 14 Uhr auf dem Schulhausareal.

Ende Oktober zieht die Tradition weiter nach Stalden

Am Freitag, 30. Oktober 2026, folgt Stalden. Dort beginnt der Tag um 10.30 Uhr mit einer Jodlermesse, bevor um 14 Uhr die Älplersprüche auf dem Programm stehen.

So wird sichtbar, wie eng verschiedene Elemente miteinander verbunden sind. Jodeln, Kirche, Landwirtschaft, Humor und Dorfleben erscheinen nicht als voneinander getrennte Welten, sondern als Bestandteile desselben Brauchtums.

Am 7. November wird gleich an mehreren Orten gefeiert

Auch im November ist die Älplerchilbi-Saison noch nicht vorbei. Am Samstag, 7. November 2026, stehen gleich mehrere Termine an.

In Sachseln werden die Sprüche um 14 Uhr auf dem Schulhausplatz vorgetragen. Zur gleichen Zeit finden auch in Alpnach die öffentlichen Sprüche auf dem Schulhausplatz statt. In Wilen beginnt der Tag bereits um 7 Uhr mit einem Frühstück in der Turnhalle.

Damit wird die Älplerchilbi zu etwas, das weit über einen einzelnen Festplatz hinausgeht. Während weniger Wochen taucht die Tradition an ganz unterschiedlichen Orten im Kanton auf.

In Schoried fällt der letzte Vorhang erst Mitte November

Einer der spätesten Termine findet am Samstag, 14. November 2026, in Schoried bei Alpnach statt. Die Sprüche beginnen dort um 14 Uhr bei der Kapelle.

Dann ist der Alpsommer längst Geschichte. Auf den Bergen kann bereits Schnee liegen, die Tiere stehen im Tal und die kalte Jahreszeit hat begonnen. Die Erinnerung an den vergangenen Sommer aber lebt an der Älplerchilbi nochmals auf.

Die wichtigsten Obwaldner Termine 2026

Die wichtigsten Obwaldner Termine 2026

Ein Brauch, der nicht im Museum gelandet ist

Vielleicht ist genau das das Bemerkenswerte an den Obwaldner Älplerchilbis. Sie werden nicht nur vorgeführt, weil Besucher gerne Kuhglocken, Trachten und Jodelgesang fotografieren.

Die Feste gehören weiterhin zum Leben der Dörfer. Menschen treffen sich, besuchen die Jodlermesse, hören den Älplersprüchen zu, lachen über Geschichten aus dem vergangenen Jahr und feiern gemeinsam den Abschluss der Alpsaison. Die Älplerchilbi wird von Obwalden Tourismus ausdrücklich als jahrhundertealtes Älplerfest beschrieben.

Natürlich hat sich Obwalden verändert. Viele Menschen arbeiten heute in Büros, Spitälern, Hotels oder Industriebetrieben oder pendeln täglich aus dem Kanton. Landwirtschaft bestimmt längst nicht mehr den Alltag jeder Familie.

Und trotzdem überlebt eine Tradition, deren Wurzeln aus einer völlig anderen Zeit stammen.

Wenn der Alpsommer endgültig vorbei ist

Vielleicht liegt darin der eigentliche Reiz dieser Herbstwochen. Für einige Stunden wird sichtbar, wie eng die heutigen Dörfer noch immer mit ihrer Geschichte verbunden sind.

Ob in Melchtal, Kerns, Giswil, Sachseln oder Alpnach: Wenn die Jodlermesse beginnt, die Älplersprüche vorgetragen werden und Menschen aus dem Dorf zusammenkommen, lebt ein Stück Obwalden weiter, das sich nicht einfach durch eine moderne Veranstaltung ersetzen lässt.

Die Tiere sind von den Alpen zurück. Der Sommer in den Bergen ist vorbei. Und in den Obwaldner Dörfern beginnt eine Tradition, die seit Generationen zum Herbst gehört.