Wie Nidwalden und Obwalden zu Unterwalden wurden – die faszinierende Geschichte einer einzigartigen Region

Die Antworten führen weit zurück – in eine Zeit, als Ritter, Klöster und Bauern das Leben bestimmten und die Schweiz, wie wir sie heute kennen, noch gar nicht existierte.
Eine Landschaft zwischen Seen und Bergen
Schon lange bevor der Name Unterwalden entstand, lebten Menschen im Tal zwischen Vierwaldstättersee, Pilatus, Stanserhorn, Titlis und Brünig.
Archäologische Funde zeigen, dass bereits vor über 4’000 Jahren erste Siedlungen entstanden. Die günstige Lage zwischen den Alpenpässen und den fruchtbaren Talböden machte die Region schon früh zu einem beliebten Lebensraum.
Zur Zeit der Römer führte eine wichtige Handelsroute durch das Gebiet. Zwar gründeten die Römer hier keine grossen Städte, doch sie hinterliessen Strassen und Handelswege, die noch Jahrhunderte später genutzt wurden.
Woher stammt der Name «Unterwalden»?
Der Name Unterwalden taucht erstmals im 13. Jahrhundert in schriftlichen Quellen auf.
Über seine Herkunft gibt es verschiedene Erklärungen. Die wahrscheinlichste lautet, dass das Gebiet „unter dem Wald“ lag – gemeint war der grosse Waldzug südlich des Vierwaldstättersees, den Reisende von Luzern her überwinden mussten.
Wer von Norden kam, gelangte also in das Land unter dem Wald – daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Name Unterwalden.
Die ersten Dörfer entstehen
Bereits im frühen Mittelalter entwickelten sich rund um Stans und Sarnen bedeutende Siedlungen.
Klöster wie Engelberg und Murbach besassen grosse Ländereien und prägten das Leben der Bevölkerung. Gleichzeitig entstanden erste Dorfgemeinschaften, die ihre Angelegenheiten zunehmend selbst regelten.
Die Menschen lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft. Viehzucht, Alpwirtschaft und Käsehandel bestimmten den Alltag.
Die Geburtsstunde der Eidgenossenschaft
Das wohl wichtigste Jahr der Schweizer Geschichte ist 1291.
Damals schlossen sich Uri, Schwyz und Unterwalden zum sogenannten Bundesbrief zusammen. Ziel war es, sich gegenseitig gegen äussere Bedrohungen zu schützen und ihre Freiheiten zu bewahren.
Unterwalden gehörte damit zu den drei Urkantonen der Schweiz.
Bis heute erinnert der Bundesbrief daran, dass ohne Unterwalden die Geschichte der Eidgenossenschaft vermutlich anders verlaufen wäre.
Unterwalden war nie ein einheitlicher Kanton
Viele glauben, Unterwalden sei früher ein einzelner Kanton gewesen.
Ganz so einfach war es jedoch nicht.
Bereits im Mittelalter bestand Unterwalden aus zwei eigenständigen Talschaften:
- Ob dem Kernwald – das heutige Obwalden.
- Nid dem Kernwald – das heutige Nidwalden.
Getrennt wurden beide Gebiete durch den Kernwald, ein dicht bewaldetes Gebiet zwischen Kerns und Stans.
Obwohl beide Landschaften nach aussen gemeinsam als Unterwalden auftraten, besassen sie eigene Landsgemeinden, eigene Verwaltungen und teilweise unterschiedliche Gesetze.
Sie arbeiteten eng zusammen – waren politisch aber nie vollständig vereinigt.
Die Landsgemeinde – Demokratie unter freiem Himmel
Jahrhundertelang entschieden die Einwohner wichtige politische Fragen nicht in einem Parlament, sondern unter freiem Himmel.
Bei der Landsgemeinde versammelten sich die stimmberechtigten Männer auf dem Dorfplatz und bestimmten durch Handerheben über Gesetze, Steuern oder die Wahl der Behörden.
Diese Form der direkten Demokratie machte Unterwalden weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Arnold von Winkelried – der berühmteste Nidwaldner
Kaum eine Persönlichkeit ist enger mit Unterwalden verbunden als Arnold von Winkelried.
Der Überlieferung nach opferte er sich 1386 in der Schlacht bei Sempach, indem er sich in die Speere der Habsburger warf und den Eidgenossen so den entscheidenden Durchbruch ermöglichte.
Ob sich die Geschichte genau so abgespielt hat, lässt sich heute nicht mehr eindeutig beweisen.
Dennoch wurde Winkelried zum Sinnbild für Mut, Freiheit und Zusammenhalt.
Sein Denkmal auf dem Dorfplatz von Stans gehört heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Zentralschweiz.
Niklaus von Flüe rettet die Eidgenossenschaft
Nicht nur Winkelried machte Unterwalden berühmt.
Auch Niklaus von Flüe, besser bekannt als Bruder Klaus, stammt aus der Region.
Der Einsiedler aus Flüeli-Ranft wurde zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte.
Als sich die Eidgenossenschaft 1481 nach den Burgunderkriegen beinahe zerstritt, baten die Tagsatzungsgesandten Bruder Klaus um Rat.
Seine Botschaft führte schliesslich zum Stanser Verkommnis, einem politischen Kompromiss, der den Zusammenhalt der Eidgenossenschaft sicherte und den Beitritt von Freiburg und Solothurn ermöglichte.
Bis heute gilt Bruder Klaus als Friedensstifter der Schweiz und ist seit 1947 der offizielle Landespatron.
Schwierige Zeiten während der Helvetik
Mit dem Einmarsch französischer Truppen begann 1798 eines der dunkelsten Kapitel der Unterwaldner Geschichte.
Vor allem Nidwalden leistete heftigen Widerstand gegen die neue Helvetische Republik.
Am 9. September 1798 kam es zum sogenannten Nidwaldner Schreckenstag. Französische Soldaten griffen das Tal an, zahlreiche Dörfer wurden geplündert oder niedergebrannt, mehrere hundert Menschen verloren ihr Leben.
Noch heute erinnert dieses Ereignis an die schweren Opfer jener Zeit.
Aus Unterwalden werden zwei Halbkantone
Mit der Bundesverfassung von 1848 erhielt die moderne Schweiz ihre heutige politische Ordnung.
Unterwalden blieb zwar Mitglied der Eidgenossenschaft, bestand nun offiziell aus den beiden Halbkantonen Obwalden und Nidwalden.
Sie erhielten eigene Regierungen, eigene Parlamente und eigene Verwaltungen.
Im Ständerat verfügte jeder Halbkanton über einen Sitz statt zwei.
Erst mit der neuen Bundesverfassung von 1999 verschwand der Begriff «Halbkanton» weitgehend aus der Gesetzgebung. Seither gelten Nidwalden und Obwalden offiziell als Kantone mit gleicher rechtlicher Stellung – bei einzelnen bundesrechtlichen Regelungen, etwa der Zahl der Ständeratssitze, bestehen die historischen Unterschiede jedoch weiterhin.
Warum lebt der Name Unterwalden bis heute weiter?
Obwohl heute zwei eigenständige Kantone existieren, ist der Name Unterwalden nie verschwunden.
Viele Unternehmen, Vereine und Organisationen tragen ihn noch heute stolz im Namen.
Auch kulturell fühlen sich viele Menschen beiden Kantonen verbunden.
Gemeinsame Veranstaltungen, Vereine, Wirtschaftsprojekte und Traditionen zeigen, dass Unterwalden weit mehr ist als ein historischer Begriff.
Es ist ein Stück gemeinsamer Identität.
Wussten Sie schon?
- Unterwalden gehörte 1291 zu den drei Gründungskantonen der Eidgenossenschaft.
- Der Name stammt vermutlich vom Gebiet „unter dem Wald“ südlich des Vierwaldstättersees.
- Der Kernwald trennte Obwalden und Nidwalden über Jahrhunderte voneinander.
- Bruder Klaus aus Flüeli-Ranft gilt als Schutzpatron der Schweiz.
- Das Stanser Verkommnis von 1481 bewahrte die junge Eidgenossenschaft vor einer schweren Krise.
- Arnold von Winkelried zählt bis heute zu den bekanntesten Schweizer Nationalhelden.
- Die Landsgemeinde prägte über Jahrhunderte das politische Leben in Unterwalden.
- Trotz der Trennung arbeiten Nidwalden und Obwalden in vielen Bereichen bis heute eng zusammen.
Unterwalden – mehr als nur ein Name
Unterwalden ist weit mehr als eine historische Bezeichnung auf alten Landkarten. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Region, die die Geschichte der Schweiz entscheidend mitgeprägt hat. Hier wurden politische Weichen gestellt, Freiheitskämpfe ausgefochten und Persönlichkeiten geboren, deren Wirken bis heute nachhallt.
Wer heute durch Stans, Sarnen, Engelberg oder Flüeli-Ranft spaziert, begegnet dieser Geschichte auf Schritt und Tritt. Historische Dorfkerne, Klöster, Museen und Denkmäler erzählen von einer Vergangenheit, die bis in die Gegenwart lebendig geblieben ist.
Vielleicht ist genau das das Besondere an Unterwalden: Zwei Kantone mit eigener Identität – und doch verbunden durch eine ge




